Sonntag, 2. September 2012

Stille Wasser. Herzenssachen.

Im Altmühltal zwischen Kehlheim und Dietfurt befindet sich der größte, kostenlos zugängliche Archäologiepark Deutschlands. Die historischen Stätten, Ausgrabungen und Wiederaufbauten sind hier so dicht gesät, dass man sich schon sehr anstrengen muss, um nicht alle Nase lang in ein eisenzeitliches Gehöft, über eine Opferplattform oder ein Langhaus aus der Bronzezeit zu stolpern. Mit großem Engagement wurden hier frühzeitliche Siedlungen rekonstruiert und wenn man will, dann kommt man aus dem Staunen über die damalige Baukunst gar nicht mehr raus.
Wie zum Beispiel hier in einem Herrenhof aus der Eisenzeit bei Oberhofen...


Die Technik, Stroh-Lehm auf Weidengeflecht als Wände aufzubauen, habe ich euch ja schon gezeigt und sie wurde über viele Jahrtausende so angewendet. Aber wenn man bedenkt, dass die ganzen Gebäude ohne Eisennägel, Schrauben und dergleichen zusammengehalten wurden, dann wird einem erst bewusst, wie viel mehr man damals technisch können mußte, im Gegensatz zum Betonieren einer Kiste und dem Anwerfen der Kreissäge. Und oft liegt auch hier das Faszinierende im absolut Einfachen.
Senkrecht in den Boden gerammte Baumstämme in unterschiedlichen Höhen als Treppe und wer gern am Wasser wohnt, aber keinen nassen Keller haben will, der stellt sein Haus eben auf Stelzen. Also ich würds tun.




Besucht haben wir auch das keltische Erntefest, das im Erlebnisdorf Alcmona bei Dietfurt gefeiert wurde. Von einem sehr engagierten Verein wurde hier aus eigenen Mitteln ein bronzezeitliches Langhaus mit externem Backofen direkt an der Altmühl nachgebaut und im Lauf der nächsten Jahre sollen noch mehrere Gebäude folgen. Zum Erntefest war das gesamte Gelände bevölkert von Vereinsmitgliedern und Gästen in historischer Bekleidung, die allerlei Sachen vorführten und eine Ahnung davon gaben, wie das Leben damals wohl gewesen sein könnte.



Alcmona ist der keltische Begriff für die Altmühl und bedeutet "stilles Wasser" -  und hier an diesem Ort ist sie das auch, denn zwischen Bieberburg und Wehr konnten die Kinder wunderbar im handgehauenen Einbaum paddeln. Es wurde die damalige Ernährung und Lebensweise erklärt, gezeigt was damals angebaut und wie es verarbeitet wurde. Wie wurde Kleidung gemacht, Wolle gefärbt, wie die Waffen hergestellt? Die Kinder konnten Mehl mahlen, Nadeln (ein Zwischending aus Häkeln, Stricken und Sticken) lernen, oder mit Pfeil und Bogen schießen. Ein schöner Nachmittag.

Wer mal in der Nähe ist, könnte vorher nachschauen, welche Veranstaltungen dort gerade angeboten werden, oder einen Kurs besuchen - zum Beispiel in keltischer Heilkunst, Druidenzauber, dem Färben mit Pflanzen, dem Räuchern, Filzen, oder Nadeln und noch vielem mehr.
Oder man kann lernen, dass das Herstellen von Freundschaftsbändchen nicht Herr Petri erfunden hat, sondern die Kelten schon so ihre Seile machten.

Und das geht ganz einfach:
Eine runde oder achteckige, stabile Kartonscheibe in gleichmäßige Tortenstücke teilen und die Linien jeweils zu einem Drittel einschneiden. In die Mtte ein Loch bohren. 7 gleich lange Fäden oder Schnüre an einem Ende verknoten und von unten durch das Loch in der Scheibe ziehen. Dann wird in jeden Schlitz ein Faden gelegt, nur der Schlitz auf 16.30 Uhr bleibt leer.  Jetzt den Faden von 12 Uhr in den Schlitz auf 16.30 ziehen. Scheibe so drehen, dass der leere Schlitz wieder auf 16.30 Uhr liegt. Dann wieder den Faden von 12 auf 16.30 Uhr legen und immer so weiter, bis Euer Bändchen oder euer Strick - je nachdem, was für Material ihr genommen habt - die gewünschte Länge hat.

Die Schnur wächst nach unten und ihr müsst sie dann nur noch lösen und die Enden verknoten. Ist viel einfacher als Stricklieseln, man kann es überall mit hinnehmen und das können auch schon die kleinsten Kinder.



Man kann mit unterschiedlichen Farben arbeiten und unterwegs auch Perlen in die Schnüre einfädeln... es muß nur durch das Loch in der Mitte passen.
Meditative Herzenssache.
Archäologiepfad, Alcmona, Dietfurt, Eisenzeit, Langhaus, Backofen, Mehl mahlen, Nadeln, Bogenschießen, Wolle färben, Einbaum, DIY, Tutorial, Basteltip

Kommentare:

  1. Guten Morgen, liebe Katja!
    Die letzten Sätze Deines Posts konnte ich grad leider nur verschwommen wahrnehmen, weil ich mich so über die Feststellung der Urheberrechte am Freundschaftsband gefreut habe *kiecher*...
    Aber sag mal: dieses verkrumpelte Zeugs da rechts über den wundervoll farbigen Strängen - hat das was mit Ernährung zu tun? Ich glaub, ich bin doch zu domestiziert :-)
    GLG, Mel

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    1. Das sind getrocknete Birnen und das soll damals tatsächlich gegessen worden sein. Ich bin froh, dass ich das nicht muss, aber ich fand, sie sahen wild aus. :-)

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    2. Gedörrt Birnen (Kletzen) sind sooo gut! (Das schreit nach einem Blog-Beitrag... :-))

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  2. Liebe Katja,

    eigentlich fehlen mir gerade die Worte, ob deiner schönen Bilder und der Beschreibung dazu.

    Ich versuch mich mal zu sortieren. :-)

    Die gefärbte Wolle finde ich grandios und die Farben einfach so schmeichelnd. Neulich staunte ich schon bei Elisabeths Pflanzenfärbereien sehr, welch wundervolle Ergebnisse das erzielen kann und war hin und weg. Und jetzt hier nochmal ... ich muss es wohl irgendwann doch ausprobieren ...

    Deine ersten Bilder finde ich aufgrund deiner beschriebenen Einfachheit der Bauweise ebenso ergreifend und vielleicht passt es gerade auch so gut hinein, weil ich in den letzten Wochen die Paletten umgebaut habe (leider mit Schrauben :-)) und sah, welch schöne Dinge man aus einfachen Materialien schaffen kann.

    Die Schnüre werd ich auf jeden Fall ausprobieren, ich mag solche Handarbeiten sehr und gebrauchen kann ja nicht nur ich solche Kunstwerke, sondern vorallem mein Großer, der Schnürenliebhaber vorm Herrn :-)

    Danke, danke, danke, meine Liebe für diesen herrlichen Exkurs in deinen Urlaub, ich bin hin und weg, was ihr alles unternimmen habt und stelle fest, dass ich doch mal in eure Richtung düsen sollte.

    Alles Liebe und einen schönen Sonntag,

    Katja

    PS: Scheint mit dem Alleinveröffentlichen doch wieder zu klappen ;-)

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  3. Liebe Katja,
    weiß Du was mir gerade durch den Kopf ging, als ich Deinen mal wieder so liebevoll geschriebenen und bebilderten Post las ?
    Ich dachte, Katja - wieso arbeitest Du eigentlich noch ??? Nicht falschverstehen bitte!! Die Aufbereitung eines solchen Post ist viiiel Arbeit mit allem was dazugehört. Aber das machst Du mit SOWAS von Herzen, das ist spürbar und lesbar in jeder Zeile !!
    Ich habe mich mal rückgeklickt durch Deinen Blog und sehe das Potenzial für mindestens 3 Bücher/ Bildbände darin:
    Kochen, Werkeln, Unterwegs mit der Raumfee.Hast Du mal darüber nachgedacht ? Vermutlich fallen Dir jetzt 1000 Gründe die dagegsprechen ein ...
    Ich finde es einfach SO KLASSE was Du machst und sage herzlich Danke dafür.
    Einen schönen Sonntag wünsche ich Dir
    Joona

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    1. Die Antwort ist ganz einfach: Ich muss Geld für Miete und Essen verdienen - vom Bloggen kann ich ja leider nicht leben. Oder Du bringst mir einen Verleger, der jeden Monat unsere Miete bezahlt, dann hör ich sofort auf. :-)

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  4. Liebe Katja
    Ich muss grad schmunzeln... ich liebe diese getrockneten Birnen über alles und stell sie sogar selber her. Sie schmecken ausgezeichnet süss und nach Honig, kein Witz! Optisch eine Katastrophe, geschmacklich top!
    Die Schnürchen sind unserer Kinder liebste Zwischendurch-ich-weiss-nicht-was-ich-machen-soll Beschäftigung. Auch in der Schule zeig ich jeweils den neuen Schülerchen diese Arbeit, welche als Zwischenarbeit in der Schachtel ruht. Ich kenn sie als Kumihimoschnüre.
    Also, wenn Frau Noz den Weg zu dir unter die Füsse nimmt, würde ich auch gerne zu dir reisen, um zu dritt durch Feld und Wald zu streifen =).
    Sei ganz lieb gegrüsst
    Melanie

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  5. Ich hätte gerne die ganze gefärbt Wolle einmal zum Mitnehmen, bittedanke. =)
    Wie immer hast du wunderschöne Fotos gemacht - außerdem sollte man bei euch in der Gegend mal Urlaub machen. ;-)

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  6. Wie immer ein ganz wunderbarer Bericht von Dir ... der mich weiter anstichelt, doch mal "in Deine Gegend" zu reisen!

    Herzlichen Dank, liebst,
    Steph

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  7. Liebe Katja,
    gestern war ich schon ein wenig traurig, dass ich Deine in heaven-Sammlung nicht mit einem Beitrag unterstützt habe, aber dafür hatte ich ja die (sehr gut von Dir beschrieben!) "Mimikri"-streetart im Angebot.

    Dein Beitrag ist mal wieder eine Kopfreise durch Zeit und Raum, ganz herrlich!

    Ich habe auch mal getrocknete Birnen gegessen und fand sie delikat!!
    Ein schönes Wochenende (bei uns heute mit einer Hommage an die Glühbirne).
    Daniela

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  8. Oh,in mir kamen mal wieder die schönsten Kindheitserinnerungen hoch. Meine Oma hatte genau so ein Mühlstein wie auf einem der gezeigten Bilder. Ich saß immer bei ihr, wenn die Getreidekörner damit gemahlen wurden und sie später das köstlichste Brot daraus buk. Das war jedesmal ein Fest. Danke Dir mal wieder für die wunderbare Führung.

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  9. Sehr schöne Bilder.
    Selber Getreide zu Mehl mahlen haben meine Kinder auch kürzlich ausprobiert - sie haben mit wirklicher Ausdauer und Begeisterung gemahlen. Toll sind solche "handfesten" Erfahrungen.

    Die Bänder werde ich mit meinen Fräuleins auch mal ausprobieren. Bis jetzt wird immer geflochten oder gehäkelt - das ist mal eine Abwechslung.

    LG und einen schönen Sonntag,
    Anja

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  10. Liebe Katja,

    ist das schön, was Du mit uns teilst. Deutschland kann so interessant sein... und ich plane die nächsten Trips nach Dänemark... danke, dass Du die Bilder und Erlebnisse mit uns teilst!

    Hab´ einen schönen Sonntag.

    Alles Liebe

    Amalie

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  11. Das sind ja ganz genau deine Farben und Materialien, sehr schöne Fotos sind das wieder geworden! Ich schaue jedes Mal wieder gerne bei dir vorbei und muss immer wieder über deine nicht enden wollende Kreativität staunen.
    Einweihungsparty ist in Arbeit :-)
    Einen schönen Sonntag und ganz Liebe Grüße,
    Dani

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  12. ich freu mich so, dass ich wieder bei dir zu besuch sein kann! und gleich zum auftakt bescherst du wieder so viel schönes. die wolle würd ich gern mal verstricken und das mit der scheibenstrickliesel probiere ich aus. sei ganz lieb gegrüßt von birgit

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  13. Danke für den Bericht! Schon wieder weckt er Erinnerungen an meine Kindheit in der wir öfter im Freilichtmuseum in Lejre (Dänemark) waren um all diese schönen Dinge zu bewundern, Einbaum zu schnitzen und Menschen beim Wohnen und Arbeiten in der Wikingerzeit zu beobachten. Schöne Grüße, Wiebke
    Solltest Du mal in Dänemark sein: http://www.sagnlandet.dk/English.425.0.html

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  14. Der Bericht alleine ist schon toll, die Bastelempfehlung jedoch noch viel tollerer. Ich arbeite mit Hortkindern und werde diese Seilschaftsbändchen (Freundschaftsseile?) ganz sicher in den nächsten Wochen ausprobieren. Da unser Hort der Wald ist, habe wir auch den adäquaten Raum dafür.
    Danke!
    Viele Grüße
    Barbara

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  15. Ich meditiere... bis mindestens 16.30h. Das ist ja ein tolles System... Werde ich mal ausprobieren! Liebe Grüße, marja

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  16. Oh wie interessant. Das möchte ich mal mit dem Kinde testen. Schöne Anleitung! Und die Fotos mal wieder sehr einladend ... und immer wieder beindruckend, was eine Raumfee so alles erlebt, wenn sie ihre Räume verlässt :) So ein Lehmhaus ... würde ich in den Garten setzen wollen!

    Liebe Grüße . Tabea wieder da

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  17. Eigentlich braucht man keine eigenen Ausflüge mehr machen, man schaut nur täglich auf den Blog von Raumfee und ist über Deutschlands Sehenswürdigkeiten bestens informiert...trotzdem versuche ich, nächstes Wochenende Dir Konkurrenz zu machen...mal sehen, ob´s klappt. Liebe Grüße, Lotta.

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  18. liebe katja, das altmühltal wird mir immer symphatischer!! tolle entdeckungen und wunderschöne impressionen hast du heute wieder mitgebracht. das keltische petri-seil werd ich definitiv ausprobieren!
    liebe grüße von mano

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  19. wunderschöne Impressionen von eurem Ausflug, die Wolle hätte es mir besonders angetan, herzlich Piri

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  20. Liebe Katja,
    leider wiederhole ich mich, es ist wie immer ein wunderbarer Beitrag, mit viel Liebe erstellt, die passenden Bilder dazu und interessant noch oben drauf. Gerne würde ich einen Verleger flechten, meditativ hin oder her, der hier das Potential erkennt, das uns anderen natürlich nicht verborgen bleibt.

    Der PetryWolle hat übrigens unter den ganzen Bändchen immer 'nen breiten Klettverschluss gehabt und die waren da drauf genäht. Weißte Bescheid.

    Liebste Grüße von Nina

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  21. Dein Blog wird immer schöner - und einfach einzigartig in einer Bloglandschaft, in der viel wiederholt wird. Gefällt mir richtig gut.
    Und das mit den Seilen probiere ich mal aus, wenn mir eine sinnvolle Anwendungsmöglichkeit dafür eingefallen ist :-)

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  22. Die gefärbte Wolle ist ein Traum! Du machst immer so tolle aufwändige Fotostrecken. Wow! Liebe Grüße, Julia

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!