Mittwoch, 12. September 2012

Der Inder, der nach Schwaben auswandert.

Was isst der? Immer noch rein Indisch, oder baut er nach und nach auch schwäbische Elemente in seine Kochkunst ein? Davon hab ich leider keine Ahnung, denn ehrlichgesagt gehört indisches Essen im Allgemeinen nach ein paar Experimenten an Straßenständen in Tobago, Berlin und Erlangen nicht wirklich zu meinen Favoriten der internationalen Küche, obwohl ich da eigentlich sehr experimentierfreudig bin. Das mag aber auch daran liegen, dass ich zwar gerne scharf esse, aber es darf keine Matschepampe sein und muss trotzdem noch nach was schmecken. Nur scharf ist nicht genug und Koriander und Kreuzkümmel gehören nicht zu meinen Lieblingen der Küche.
Doch es gibt eine Ausnahme: ich liebe Dal. Also den, den ich selber gemacht habe. Das ist schwäbischer Dal mit fränkischem Einschlag, denn er wird nicht mit Naan serviert, sondern auf Spätzle. Fränkischer Schwaben-Dal.



Dal mit Spätzle

Dafür schwitze ich sehr viele Zwiebeln  und reichlich Knoblauch in Olivenöl an und gebe dann kleingehackte Petersilienstängel, rote Currypaste, gehackter Ingwer und rote Linsen dazu. Die gieße ich mit Gemüsebrühe auf und lasse sie kräftig köcheln, bis sie weich sind. Zum Schluß wird das Ganze noch mit Honig, Salz, Muskat, wenig Kreuzkümmel, schwarzem Pfeffer und Zitronensaft abgeschmeckt. Dal über die - gleichzeitig gekochten - Spätzle geben, Frühlingszwiebelringe und Basilikum drüber und ein großer Klecks saure Sahne.
Für alle indischen Schwaben und fränkischen Weicheier.

Das mit mir und meinem indischen Küchentrauma, das fing übrigens so an...
An einem indischen Straßenstand in Scarborough habe ich im April 1993 ein Chapati mit Huhn bestellt. Dafür wurde zu meinem Entsetzen ein gekochtes Hühnerviertel auf ein Brett gelegt und mit einem großen Hackmesser kreuz und quer in kleine Stückchen zerhackt. Komplett mit Haut und Knochen. Dann kam Curry dazu und das ganze wurde in ein Chapati gefüllt. Obwohl das Ganze außer nach scharf nach nichts geschmeckt hat, war mein Mund nicht taub genug, um mit der brennenden Matsche aus Knochensplittern fertigzuwerden. Nicht mal die Straßenhunde wollten es haben.
Danach habe ich 3 Jahre kein Hühnchen mehr gegessen. Und 5 Jahre kein Curry.
Allerdings hab ich auch 10 Jahre lang kein Lamm mehr gegessen, nachdem ich mich nach dem Verzehr eines Lammbratens im Sommer 1983 in einem griechischen Lokal in Mittelfranken auf der anschließenden Fahrt in den Frankreichurlaub bis zum Gardasee übergeben mußte. Ich bin anfällig für langanhaltende Urlaubs-Essens-Traumen... ;-)
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Laut Wiktionary ist der 1. Plural von "das Trauma" übrigens "die Traumen". Der 2. Plural ist "die Traumata". Da ich allerdings in meinem dereinstigen Deutsch-LK zwar gelernt habe, 15-seitige Textanalysen von Handke und Brecht (für mich übrigens ein mehrdeutiger kausaler Zusammenhang) zu erstellen, aber nicht, wofür ein 2. Plural gut sein soll, bleibe ich beim ersten. :-)
Dal, Curry, Spätzle, rote Linsen, Frühlingszwiebeln, Dal mit Spätzle

Kommentare:

  1. Oh ja, das kenne ich, ich hatte so ein Erlebniss nach einem Fischgericht in Afrika...
    Es waren bestimmt 3 Jahre, da konnte ich Fisch noch nicht mal riechen. Die Kombination Dal und Spätzle muß ich unbedingt probieren,
    lG Barbara

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  2. du bist eine witzige speisereisekünstlerin! dass indisches essen oft verkocht ist, kann ich auch nicht gut leiden. und der genuss eines tadorihähnchens in 24 gewürze eingelegt, brachte mir eine dreitägige scheinschwangerschaft, in der ich mich mehrmals übergeben musste, mir übel war und der bauch geschwollen. es fühlte sich genauso an, wie in den anfangszeiten des tochterkindes, war also wahrscheinlich ein huhn...;)
    liebste grüße zur wochenmitte von birgit

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  3. dein spätzle-dal hört sich sehr gut an. asiatische küche ist sonst nicht so meins, auch wenn ich noch keine knochen im essen hatte (*graus*).
    nach dem besuch bei einem gouda-italiener wurde mir jahrelang bei dem geruch von überbackenem käse schlecht... heute geht es erfreulicherweise wieder, denn ich konnte in der ganzen zeit nicht mal pizza essen!
    viele grüße an dich!

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  4. Du Arme - Essenserlebnisse können definitiv lange nachverdauen, da hab' ich auch so einiges erlebt...Aber Dal liebe ich auch - wie Linsen überhaupt - am liebsten zu Reis allerdings. Danke für das leckere Rezept. Liebe Grüße, Anette

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  5. Oh weh... welch Traumata am frühen Morgen... Indisch ist bei mir im Moment auch schwierig, dabei habe ich es immer sehr gemocht. Schuld am Wandel war ein dem Genuß folgender Magen Darm Infekt. Grundsätzlich streiche ich alles, was ich vor einem solchen Ausbruch zuletzt gegessen habe, für mehrere Monate von meinem Speiseplan, weil ich schon beim Gedanken daran wieder krank werde. Da fällt mir auf: schon ewig keinen MagenDarmVirus mehr gehabt. Töchterchen, wann bringst Du eigentlich mal wieder einen mit...? Liebsten Gruß, Marja

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  6. oha - das ist ja ne interessante mischung! :)
    ich mag indisches essen sehr gerne, kann es aber selbst nicht kochen. auch wenn vieles wie pampe aussieht, damit's richtig gut schmeckt gehört doch mehr dazu. :)
    zum glück hatte ich in indien aber auch keine komischen erfahrungen mit dem essen. da ich ja so'n halb-vegi bin, hab ich auch da das fleisch weggelassen. nach einem besuch auf einem markt, wusste ich auch, warum. ;)

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  7. Sieht lecker aus! Selberkochen ist die beste/vertrauensvollste Möglichkeit für fremdartiges Essen. Wir haben auch schon unangenehmes erlebt. Da vergeht einem die Lust auszugehen. Hier jetzt eh. Auf dem Lande gibt es nichts. Und wenn, dann handelt es sich um aufgewärmtes Fertigessen. Auch exotische Zutaten sind eher schwer zu bekommen. Außer die Klassiker, die es mittlerweile fast überall gibt. Und dann sind meist Aroma, Glutamat und co untergemischt ... da muss ich dann echt nicht selber kochen. Ich kaufe sogar nichts mehr wo Hefe oder »Gewürze« drin sind ... sind ja bloß Floskelt für Glutamat. Aber manchmal ... ist es fein, wenn man Kokosmilch oder Sojasauce verwenden kann ... und vielleicht bekomme ich dein Rezept ja hin?

    Tabea grüßt durch Regenschleier

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    1. Das Muster war mal für sonstwas. Heute für MICH, bzw. die Einjährigkeit meines Blogs ;)

      Ja ich fand das Mustern auch immer sehr chinesisch und wollte unbedingt wissen, wie es geht. Nun weiß ich, dass es unterschiedliche Wege gibt. Aber eins ist bei Nahtlosrapports immer gleich, in welchem Programm man sie auch erstellt, man versetzt das Zentrum des Motivs (das nicht angeschnitten sein darf) nummerisch oder pixelgenau um die Hälfte der Breite und Höhe nach oben und unten. Somit entsteht ein Anschnitt, der in Folge wie Puzzleteile zueinanderpasst. Die Mitte, die nun entstanden ist, war früher der Anschnitt (nur das der da noch motivlos war) ... wir haben ihn nun nur so verschoben, dass sich der Raum anbietet, das Gesamtmotiv fertigzuzeichnen, ohne um die Ecken malen und denken zu müssen. Puh?

      Viel Freude beim Mustern ;)

      Bevor ich bei blogger gelandet bin, habe ich wordpress ausprobiert. (Fand ich nicht so gut) Dazu musste ich mir dort ein Profil anlegen, welches ich »Froschdachs« nannte ;) Leider kann man sich bei wordpress nicht mehr abmelden. Daher erscheint bei wordpress-Blogs immer mein wordpress-Profil, wenn ich kommentiere. Es ist absolut unmöglich für mich, in wordpress-Bloggs mit meinem blogger-Profil zu kommentieren, weil ich eben dieses wordpress-Profil nicht wieder loswerde ... ärgerlich.

      Tabea

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    2. Darauf gehe ich ein, wenn du die 50 Jahre mitziehst! Irgendwann treffen wir uns auf ein Törtchen, gell! T

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  8. Sieht superlecker aus! Und eben habe ich gedacht, etwas mit Linsen zu kochen. Vielen Dank für die Idee...

    Liebste Grüsse
    Betti

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  9. Oh ich liebe Dal auch sehr. Mit Spätzle stelle ich es mir sehr speziell vor. :) Probieren würde ich es auf jeden Fall. Deine Essenserlebnisse sind ja wirklich sehr eindrucksvoll im negativen Sinne. Hühnchen mit Knochensplittern, wirklich sehr lecker. :( *örgs*
    Ich bin bei solchen Urlaubsessenerlebnissen auch äußerst erinnerungsfähig. In meinem Falle handelt es sich um geschlagene Schlagsahne, die ich immer dankend ablehne und wenn nur in homöopathischen Dosen zu mir nehme. Nachdem ich mich als Kind davon mal drei Tage übergeben habe. Waren bestimmt Salmonellen. Aber das Thema war damals ja noch nicht so "in". :))
    Liebe Grüße und danke für das Teilen Deiner Experimentierfreudigkeit.

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  10. Lustige Essensgeschichten, ich kann mir Dein Gesicht lebhaft vorstellen, als auf dem Huhn rumgehackt wurde...ich hab sowas ähnliches mal in NY erlebt, in Chinatown...ausführen möchte ich das jetzt nicht näher, ich glaube sonst wird mir immer noch schlecht...und das nach 16 Jahren...liebe Grüße

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  11. Also ehrlich Katja, ich habe gerade eben wieder so lachen müssen, daß mir die Tränen nur so runter gelaufen sind. Ich krieg' mich kaum noch ein. Sorry, aber zu witzig lesen sich Deine Urlaubs-Traumata im Nachhinein.

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  12. seems yummy :P
    I'll be happy if you check out my blog too=)

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  13. Ich bin auch nicht so ein Fan von indischem Essen, aber deine Zauberei würde ich gerne mal probieren. Das sieht doch mal lecker aus :) Vielleicht nennst du es "Dalsle" :)

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  14. Aber "Wunschloses Unglück" und die Hühnerviertel-Geschichte passen ja ziemlich gut zusammen ...
    Liebe Katja, Dein Exoten-Dal finde ich sensationell und kann mir deutlich ausmalen, wie köstlich es schmeckt.
    Sei liebst gegrüßt von Nina, die sich auch den Luxus eines Reserveplurals schenken würde. Im Zweifel.

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  15. Oh, ich kann mich auch an solche Essens-Traumata erinnern...Z. B. war ich einmal eingeladen in der Nähe von Kiel, da gab es Grünkohl mit Kochwurst...eigentlich eine Spezialität für die Einheimischen...Ich allerdings habe gedacht, ich überlebe das nicht und musste mich extrem zusammennehmen, damit das Essen nicht an der verkehrten Stelle wieder herauskommt ( ...ich war wirklich schweißgebadet...). LG Lotta.

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  16. Liebe Katja,

    vielleicht liegt es daran, dass ich Halbasiatin bin, aber Dein Kommentar bei Tabea ("... dass die Asiaten generell gerne mit Glutamat und Hefe wurschteln") klingt in meinen Ohren ziemlich derb und arg nach Stammtisch-Vorurteilen. Wenn Du zu irgendeinem billigen Imbiss gehst, mag das so sein - wie womöglich auch in einigen deutschen Buden - aber ich kenne jede Menge asiatischer Restaurants, wo nur mit guten, frischen, nicht geschmacksverstärkenden Zutaten gekocht wird. Meinst Du das wirklich ernst?

    Liebe Grüße,
    Mond

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    1. Liebe Mond,

      ich bin sicherlich niemand, der Stammtischparolen übernimmt, sich dort aufhält wo sie ausgegeben werden, oder damit um sich wirft.
      Hier in meiner Stadt bekomme ich in den drei Asialäden die es gibt keine Soja- oder Fischsoße ohne Glutamat und keine Kokosmilch ohne Verdickungsmittel und Aroma - ich suche schon lange danach. Ich habe ich hier in der Region auch noch nie in einem chinesischen, japanischen (außer bei Sushi), thailändischen oder vietnamesischen Restaurant (NICHT billiger Imbiss oder Bude) gegessen, in dem ich nicht noch während des Essens Magen-Darmprobleme bekommen hätte, auch wenn ich vorher nachgefragt hatte, ob es verwendet wird und das verneint wurde - ich vertrage absolut kein Glutamat.
      Vielleicht ist das in den Herkunftsländern der Gerichte anders, vielleicht auch in Berlin, vielleicht auch in sehr hochpreisigen asiatischen Nobelrestaurants (die es hier nicht gibt) - aber hier ist das so in den normalen asiatischen Restaurants, von denen ich in den letzten 30 Jahren in der Region ziemlich viele besucht habe. Leider. Deshalb ja, ich meine das ernst.
      Vielleicht habe ich das mit "Asiaten" etwas zu undifferenziert formuliert und hätte dazufügen sollen - "in asiatischen Lokalen in Nürnberg/Fürth, in denen ich bsiher gegessen habe", aber das ist meiner Meinung nach immer noch kein Grund für einen Kommentar in diesem Ton, nur weil Du selbst Halbasiatin bist.
      Wahrscheinlich kochst Du selbst anders und das ist prima - wenn ich selbst asiatisch koche, tue ich das auch, denn tatsächlich kommt in keinem asiatischen Kochbuch Glutamat oder Hefeextrakt vor und die Gerichte schmecken trotzdem prima.

      Gruß von mir,
      Katja

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  17. Eine spannende Komposition! Ich liebe die indische Küche und koche auch gerne indisch und Späzle sowieso. Warum also nicht Dal-Spätzle? Liebe Grüße, Éva

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!