Mittwoch, 25. Juli 2012

Zeitsprung . time warp

1996 - 2004: Esswohnzimmer & Schlafbüro

Da war doch noch was...
Nachdem ich Euch neulich auf der Reise durch meine Wohnvergangenheit schon den Flur und das Badezimmer und auch die Küche in meiner vorigen Wohnung gezeigt habe, wollte ich Euch die restlichen beiden Räume auch nicht vorenthalten.
Nötig waren ein Esszimmer, ein Wohnzimmer, ein Schlafzimmer und für die frische Selbständigkeit ein Büro. Tja, was macht man da, wenn es aber nur zwei Zimmer gibt? Esswohnzimmer und Schlafbüro.

Was man auf den Bildern von Bad und Küche noch nicht wirklich sehen konnte, kann man hier erkennen - den Grund, warum ich mich damals neben der günstigen Miete sofort in diese Wohnung verliebt habe, auch wenn sie in einem schlechten Zustand und im 4.OG ohne Aufzug war: Fischgrät-Parkett, Stuckdecken und vor allem - die Fenster und Türen...

Im Esswohnzimmer wurde ein selbstgebauter Tisch mit Möbelmarktstühlen, Sofa und Regalen vom Schweden und selbstgebauten Konsoltischen kombiniert, die heute im Kinderzimmer stehen. Meinen Zahnarztschrank und den alten Bücherschrank meiner Oma gab es damals natürlich auch schon, die Foto-Stehleuchten und das Strömstad-Sofa ebenso und auch den großen Korbsessel, den Lounge Chair und überall Kieselsteine. Und trotzdem war mein Einrichtungsstil zu der Zeit noch etwas... anders. Es waren die Neunziger. :-)

Im hinteren Zimmer kam der Arbeitsplatz ans Fenster, die Büroregale an die Wand gegenüber. Das Bett lag auf einen zentralen Schrankkubus, in dem meine Kleidung untergebracht war. Wenn das Bett mal ordentlich gemacht war, dann sah man es von unten nicht.
Zu der Zeit habe ich per Onlineauktion die Stoll Giroflex-Besprechungssessel aus den 60ern gekauft, die heute in unserer Wohnküche stehen. Dabei war noch ein kleiner Tisch, ein großer Rolladen-Aktenschrank und auch der dazu passende Chefsessel, der aber leider bei einem Umzug im Haus vom Speicher geklaut wurde.
Die drei Ölportraits sind vom kubanischen Maler Gustavo Valdés Albertos aus Havanna, die ich vor 11 Jahren von dort mitgebracht habe.

Der Sessel aus gespanntem Papier ganz links war mein studentischer Wettbewersbeitrag für einen Designpreis Anfang der Neunziger Jahre, in dessen Jury Verner Panton saß. Ich bekam damals eine Anerkennung. 1998 brachte Herr Panton seinen Phantom Sessel auf den Markt. Womöglich sollte ich mich geehrt fühlen. Damals war ich ziemlich wütend, aber ich weiß zumindest jetzt, dass auch berühmte Designer nur mit Wasser kochen und warum sie als Juroren in studentischen Designwettbewerben sitzen...

Und wie sahen die Zimmer bei Mietbeginn aus? Ungefähr so...

Das Parkett, die Fenster und Türen habe ich abgeschliffen und lackiert, Kabel verlegt, den kaputten Kamin aufgemauert, die Wände verputzt, tapeziert und gestrichen.
Würde ich das heute nochmal machen? Jederzeit... aber nur noch, wenn mir die Wohnung auch gehören würde. ;-)
Noch weiter zurück in der Raumfee-Wohnergangenheit? Hier geht es zu > meinem ersten Studenten-WG-Zimmer und > zu meiner ersten ganz eigenen kleinen Wohnung in Coburg. 
Wohnungsrenovierung, Nürnberger Staße, Jugendstil, Fischgrätparkett, Schiebetüren

Kommentare:

  1. Guten Morgen Katja!
    Das mit den Multifunktionsräumen ist wohl irgendwie symptomatisch bei beginnender Selstständigkeit - zumindest, wenn man sich aus eigener Kraft was aufbaut... ;-)
    Wir hatten zuletzt eine Wohnbüroküche mit Spielzimmerfunktion! Bin ich froh, daß das mittlerweile anders ist.
    Das mit dem Sessel ist fech, aber auch das gibt es leider zuhauf. Wohl dem, dem die eigene Kreativität nicht ausgeht.
    Habe gestern übrigens die Buttermilchmuffins nachgebastelt - mit Pfirsichen und Kirschen: Grandios!! Werde Dein Rezept im nächsten Post verlinken müssen, da führt kein Weg dran vorbei...
    GLG; Mel

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  2. Einfach toll! Die Wohnung ist ja an sich schon ein Juwel, aber was du daraus gemacht hast ist echt der Hammer! Und dein Papier Sessel ist genial, hast du den heute noch? Wie stabil ist denn so etwas überhaupt, kann man sich das vorstellen wie Pappmaché? Naja, und von jemandem wie Panton nachgemacht zu werden ist wirklich auch keine Schande :-)
    Einen schönen Sommertag und ganz liebe Grüße,
    Dani

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    1. Der Sessel ist extrem stabil und er ist noch irgendwo auf dem Speicher. Wir haben die Technik des gespannten Papiers im Studium in einem Workshop mit Jan Armgardt gelernt, der selber Papiermöbel designt. Die Spanten aus Karton oder dünnem Sperrholz werden mit den ihn Mehlkleister getauchten Papierbahnen umklebt. Beim Trocknen zieht sich das Papier zusammen und verspannt die ganze Konstruktion - ähnlich einer Unterspannkonstruktion. So werden kreuzweise viele Schichten (hier waren es glaube ich an die 10)geklebt. Ich kann auf dem Sessel stehen und ich bin wahrlich kein Leichtgewicht. ;-)

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  3. Wahnsinn, was du aus dieser Wohnung gemacht hast. Der Schrank hinten links im ersten Bild gefällt mir besonders gut :-) Ich hebe übrigens auch von jeder Wohnung ein paar Fotos auf, vielleicht mache ich in zehn Jahren auch mal eine kleine Serie...

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  4. den decken-kerzenleuchter hatte ich auch jahrelang! :)
    man, ich bin wieder mal tief beeindruckt, was du alles schon so gemacht hast und wie schön die räume immer waren. (und dass du auch alles so schön fotografiert hast!)
    irgendwie sieht es immer danach aus, dass du wusstest, wo du hin wolltest. etwas, das man meinen wohnungen wohl auch angeshen hat: ich wußte nämlich sehr lange nicht, was ich wollte. :)

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  5. Das mit dem Sessel ist ja unglaublich!!!

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  6. Ach Frau Raumfee, wie cool sie immer so gewohnt haben...unglaublich...unglaublich schön auch das Parkett und die Doppeltüre...liebe Grüße von einer, dei gerade auf einem Panton....äh Sauer-Chair sitzt...P.S:wann fahren wir los? ;-)

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    1. Nee, Quatsch...neiiiiin...nur einen Panton-Chair...da hab ich mich wohl falsch ausgedrückt...;-) ...noch einmal schlafen....;-)

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  7. wie frech, das mit dem sessel! und in dieser wohnung durfte man wohl nicht aus dem bett fallen...

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  8. Danke wieder mal für den tollen Wohnungseinblick. Ja, die 90er. *schmunzel* Der Einrichtungsstil war schon speziell. Die Geschichte von Herrn Panton ist ja frech. Was fällt dem ein? Scheinbar ja nicht viel. ;)
    Liebe Grüße allesistgut

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  9. Herr Phanton ist mir grundunsympathisch. Hätte man da nichts machen können? Ich meine: sind da die Abschlußarbeiten von Studenten nicht auch grundsätzlich geschützt? Eine ziemliche Sauerei.

    Ja, der Fußboden, Türen und Fenster gefallen auch mir sehr. Und daß, was Du wie so meist daraus gemacht hat, auch. Sowas können Raumfeen. Und Du bist ja eine ;-)...

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    1. Studentische Designwettbewerbe dienen hauptsächlich der Inspiration der Jurymitglieder - das ist aber nicht nur in meiner Branche so, sondern auch z.B. bei den Mode- oder Produktdesignern. Man macht sich die kreative Energie der Jungen zu Nutze. Es gibt noch zwei weitere Wettbewerbsbeiträge aus den Neunziger Jahren von mir, die fast 1:1 produziert wurden. Und so ging und geht es sicher noch vielen tausend Studenten weltweit. Niemals bekommen die Studenten davon was ab - sie liefern nur die Ideen, mit denen andere dann leicht abgewandelt Geld verdienen. Und keiner davon hat die Mittel, dagegen vorzugehen, das wissen auch Designer und große Firmen. Wenn man es irgendwann weiß, nimmt man nicht mehr an solchen Wettbewerben teil...

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    2. Das ganze ist also auch noch geduldet bzw. "legal"... Da kocht mir schon das Blut. Wenn wenigstens die Studenten in irgendeiner nachhaltigen Weise davon profitieren würden, wäre es ja auch noch halbwegs gut. Aber so... Moderne Sklaverei - andere buckeln, während Designer absahnen. Sehr unfair! Ich hoffe dennoch, daß Du inzwischen Deine Ideen schützen läßt - und gegebenenfalls auch dagegen angehst, wenn jemand sich ungefragt bedienen oder daraus Profit schlagen will. Ich kenne einen sehr netten Patentanwalt ;-)

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  10. schluck:::mensch ich stehe der eigentlich Designerin des Phantom chair gegenüber..und das mein ich ernst!ist wirklich verrückt!! deine Wut kann ich ein wenig verstehen. Wenn man etwas wirklich komplett neu designed, erfindet, malt..wie auch immer: dann ist man einfach stolz darauf! Davon mal abgesehen, finde ich es übrigens wahnsinnig interessant zu sehen wie sich dein Stil, trotz vieler gleicher Stücke, verändert hat und einfach wundervoll ist! Ich bräuchte dich glaube ich dringend mal hier in Köln, wir haben eine 52qm Wohnung, zwar mit großer Terrasse, aber die hilft uns auch nur im Sommer. Wir haben 3 Zimmer und 2 kleine Kinder..naja ich denke du kannst dir das vorstellen;)einen schönen sonnigen Tag dir!

    ps: danke für dein statement zum blog-design, das theme ist ganz neu rausgekommen und hat mir irgendwie auf anhieb gefallen...ich bin glaub ich nur so sprunghaft, weil noch keines dabei war welches mir wirklich 100%ig zusagt:)..abwarten!
    sarah

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    1. Naja, er ist ja nicht identisch. Aber ich denke, man sieht daran ganz gut, wo sich auch gefeierte Designer oft "inspirieren" lassen...

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    2. ..na aber die Ähnlichkeit ist schon echt... :)

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  11. Auch in meiner Wohnung gab es mal diesen Kerzenleuchter! Eine schöne Wohnung war das, auch wenn man die 90er erkennt. Und zu dem Sessel: Du musst Dich wohl wirklich geehert fühlen, wütend wäre ich auch. Das mit dem dreisten Ideenklau ist mir auch schon passiert, da war es aber "nur" ein Logo und schon gar nicht so eine Größe wie Verner Panton. Ich bin doch ein bisschen empört! Liebe Grüße, Wiebke

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  12. wirklich eine tolle wohnung! die türen und fenster verleihen ihr eine besondere atmosphäre und die einrichtung gefällt mir auch sehr. bis auf das hochbett - ich trink abends immer sehr viel ;)
    ich finde deine beiträge, die du hier auf deinem blog zeigst, sehr interessant und abwechslungsreich und bin gleich den links zu deinen früheren wohnungen gefolgt!
    liebe grüße,
    susi

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  13. Das ist nun wirklich beeindruckend mit dem Stuhl. Deshalb sind manche ganz oben, weil sie nehmen, machen und nicht bereuen. Das ist das traurige an der Sache, die zeigen einem an der Uni nicht, wie man seine Ideen Realität werden lässt und mit ihnen Geld verdienen kann. Stattdessen, nehmen sie sich die Ideen und hinterlassen links und rechts viele Menschen, die nur mit großen Augen hinterher gucken können. An der Uni waren sie immer so stolz, dass die Professoren einen Fuß im echten Leben haben mussten, also »Wirtschaftserfahren«. Eigentlich hat mich das immer verwundert, weil ein Prof somit ja zum Doppelverdiener wird. Die Motivation, den jungen Menschen wirklich mit Hingabe zu zeigen, wo es lang geht, hat man oft vermisst. Ist doch super, hier die Inspiration durchs Frischfleisch und da (meist in einer anderen Stadt schön weit weg) das Designbüro oder ähnliches zum abzutauchen und um alle Eindrücke wirken lassen zu können.

    Schöne Räume!

    Liebe Grüße . Tabea

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    1. Das unterschreibe ich voll. War bei und im Studium auch so. Die Studenten haben nicht die Möglichkeiten zur Umsetzung und auch nicht die rechtlichen, dagegen vorzugehen. Ich finde es nur immer wieder interessant zu sehen, dass die Designikonen auch nicht alle so ikonenhaft sind - zumindest, was den Heiligenschein angeht.

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  14. das parkett ist ja ein traum!! und die türen auch!!
    ist ja ne krasse geschichte mit herrn panton. ich glaube ich wäre immernoch stocksauer.
    liebe grüsse!

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  15. mehr, mehr , mehr...ich kann gar nicht genug kriegen von den tollen Zeitreisenbildern - und das mit dem Designersessel ist ja der Hammer - da hätte ich aber für die Presse ein nettes Artikelchen darüber geschrieben.... ob sies gedruckt hätten ist fraglich...

    Begeisterte Grüsse (ich bin immer wieder schwer beeindruckt was für tolle Ideen du doch hast, Platznot macht erfinderisch, nicht allen gelingts, dir ist eine Meisterleistung gelungen!)

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  16. achso : ich liebe deine Stühle und ganz besonders den Zahnarztschrank WOW!
    ich nörgle ja schon lange bei meinem Mann rum, dass ich meinen alten Holzschubladenschrank aus einer Mechanikerwerkstätte wieder zurückbekomme - er steht in GG's Werkstatt und beherbergt Werkzeug. :-(
    aber er wills nicht rausrücken - zu praktisch....
    und ähnlich schön wie dein Zahnarztmöbel!
    LG Carmen

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  17. das war wieder ein toller ausflug mit dir in die vergangenheit! deine ideen finde ich wunderbar (und scheinbar nicht nur ich;) und da ist es nicht von bedeutung, von wann sie sind - sozusagen zeitlos gut.deine annahme ist gar nicht abwegig-unser kunstprof hat auch immer gesagt, dass er selber letztendlich mehr aus dem lehrauftrag zieht als wir studenten...
    sei lieb gegrüßt von birgit, die seit 2 stunden endlich ferien hat;)

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  18. ich bin immer noch ziemlich geschockt von der panton-geschichte und deinem phantom-stuhl. unglaublich!
    leider geht der ideenklau allüberall herum...
    in deine wohnung von damals würde ich heute auch noch einziehen!
    liebe grüße von mano

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  19. Das ist ja echt unglaublich mit dem Stuhl - ganz eindeutig stand Dein Entwurf Pate! So ungerecht! Und Du hast ja so recht - alle kochen nur mit Wasser...Ich habe auch oft bei solchen Wettbewerben im Schmuckbereich mitgemacht - ist lange her und die Arbeiten der Jurymitglieder ließen sich damals in der Vorinternetzeit auch nicht so einfach verfolgen.
    Aber Du weißt, was Du kannst und das ist das Wichtigste. Ich bin immer wieder total von Deiner Kreativität beeindruckt - und von Deiner Handwerkskunst auch! Der Wahnsinn, was Du aus diesem Schutthaufen von damals gezaubert hast!! Liebste Grüße, Anette

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!