Samstag, 14. Januar 2017

In heaven No. 246 - Da Sein

Tief Egon bringt nicht nur viele dunkle Wolken über Deutschland und ganz Europa, er bringt auch Sturm. Nicht in allen Bundesländern hat er gleich stark gewütet, in manchen kam er abgemildert als frischer Wind daher. Ein großes Tiefdruckgebiet liegt auch seit vielen Monaten über den sozialen Netzwerken in Deutschland. Ein Tiefdruckgebiet aus Aggression und Hass weit jenseits jeglicher Menschlichkeit, Fakten und Diskussionskultur. Welche Probleme ich damit habe, dass Menschen sich anderen Menschen gegenüber derartig empathiebefreit, hasserfüllt, ja unmenschlich benehmen und dass reale Fakten in dem reinen Ausbrechen von Parolen keine Bedeutung mehr zu haben scheinen, das habe ich an anderer Stelle schon ausführlich dargelegt. Auch, dass es mir oft schwerfällt, nicht irgendwann entnervt und wütend im gleichen Ton zurückzubrüllen. Mit Kommentierenden habe ich darüber diskutiert, ob man selbst das unmenschliche Verhalten anderer kritisieren darf, wenn man selbst nicht ohne Tadel ist und ob ein solches Verhalten, in dem man anderen Menschen hasserfüllt den Tod wünscht oder diesen feiert, wirklich unmenschlich ist, denn letztlich ist eben auch dieses widerwärtige Verhalten doch menschlich, da von Menschen ausgelebt.
Und doch hat der Begriff "Menschlichkeit" neben der Beschreibung des Gesamtumfangs jeglichen Verhaltens, zu denen ein Mensch fähig ist, noch eine engere Bedeutung. "Menschlichkeit" hat auch eine normative, moralische Bedeutung, indem es nur jene Züge menschlichen Verhaltens meint, die nach geltenden gesellschaftlichen und sozialen Regeln in Anlehnung an die Ideen des Humanismus wünschenswert sind. Also ist der Begriff  "unmenschlich" in diesem Zusammenhang doch nicht so unpassend. Unmenschlichkeit aber ist ein Stachel im Fleisch jeder freiheitlichen Demokratie.

Entstanden ist der Gedanke des Humanismus im 18. Jahrhundert, als sich Philosophen zusammensetzen und sich anhand von moralischen Kriterien überlegten, was einen Menschen denn ausmache und wie er denn sein solle, um ein friedliches Zusammenleben und eine fortschrittliche Gesellschaft voranzubringen. Voraussetzung aber auch Ziel sollte ein friedlicher, gütiger und kultivierter Umgang miteinander sein, im Rahmen dessen man durch Taten der Güte, der Menschenliebe, der Nächstenliebe, der Barmherzigkeit und des Mitgefühls eine Steigerung der Menschlichkeit oder aber auch bei Nichtbeachtung eine Schwächung oder einen Verfall der Menschlichkeit bewirken würde. 
Aus diesen Überlegungen entstand im 18. Jahrhundert die Lehre von den "unveräußerlichen Menschenrechten", welche die Gleichwertigkeit aller Menschen jeder Herkunft und jeden Geschlechts, die Menschenwürde und die politische und religiöse Toleranz gegenüber anderen Menschen und die Achtung ihrer Überzeugungen umfassen, ebenso die Achtung vor Tieren und Natur und die Ächtung von Angriffskriegen. 

Im Sinne des Humanismus ist das, was sich in sozialen Netzwerken vor allem zu politischen und gesellschaftspolitischen Themen austobt, in weiten Bereichen also ganz weit von Menschlichkeit entfernt. Liest man dort in Nachrichtenportalen mit, erwecken die Kommentare in ihrer Geballtheit an Hass, Vorurteilen, Aggression, Beleidigungen und Faktennegierung und auch aufgrund des mangelnden Widerspruchs eine Dimension, die beängstigend ist, wenn man an Gegenwart und Zukunft unseres Landes denkt. Das ist so, weil sie eindimensional ist und den Anschein erweckt, das Hass, Hetze und die dahinterstehende Propaganda und plumpe Parolen nicht nur inzwischen legitim, sondern auch allgemein anerkannter Konsens in Diskussion seien. Unabhängig davon, ob es um Asylpolitik, um andere politische Entscheidungen, um Personen oder um die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geht - der Ton unterscheidet sich kaum noch. Die Verwendung des durch Pegida missbrauchten Slogans "Wir sind das Volk" erscheint in Folge vielen dieser hasserfüllten Menschen völlig richtig - denn wenn sich dort nur Hetzer gegenseitig bestätigen, dann sind sie doch auch repräsentativ für das Volk, oder nicht?

Viele Menschen fragten und fragen sich, wie man mit diesen Abgründen umgeht. Was tut man, wenn Fakten und Realität nicht interessieren, sondern der einzige Sinn und Zweck scheint, alle persönlichen Abgründe aus sich herauszubrechen? Rückzug, Resignation, Ignorieren und den geifernden Hetzern das Feld überlassen? Oder vielleicht doch mit Argumenten dagegenhalten? Dagegenhalten allerdings, ohne sich selbst anstecken zu lassen von all dieser Negativität und Unmenschlichkeit - denn wenn man zu lange in den Abgrund blickt, dann blickt der Abgrund irgendwann zurück. Doch allein auf verlorenem Posten gegen Hunderte Hetzer unter jedem Artikel? Geht das? Schwierig.
Viele Menschen sind an all diesem Hass und diesem Absturz der Diskussionskultur verzweifelt und haben resigniert, sahen keine Möglichkeit, den Wahnvorstellungen und der Unmenschlichkeit etwas entgegenzusetzen, ganz allein auf verlorenem Posten - und haben sich deshalb zurückgezogen und gleichzeitig den Hetzern das Feld überlassen.

Doch ist das der richtige Weg? Diese Frage habe ich mir in den letzten Monaten - auch hier - oft gestellt, wenn ich resigniert war wegen all der negativen Projektionen, der um sich greifenden Paranoia, der Distanzlosigkeit, der Unkultiviertheit, der Pauschalierungen, dem Hass und der Unmenschlichkeit des Umgangs mit anderen Menschen, die durchaus ansteckend wirkt - vor allem in den Kommentarbereichen der Nachrichtenportale, aber mitunter auch im Alltag.

Wie gut tut es da zu wissen, dass es nicht nur mir allein so ging und geht. Da draußen sind viele Menschen, denen etwas daran liegt, menschlich miteinander umzugehen und sachlich zu diskutieren, auch bei konträren Meinungen. Menschen, die weiter Interesse daran haben, Probleme zu lösen und über Wege zu diskutieren, statt sich nur darüber zu echauffieren. Menschen, die Interesse daran haben, die Diskussionskultur in sozialen Netzwerken zurückzuerobern. Aus diesem Hintergrundgedanken heraus ist die Aktionsgruppe #ichbinhier entstanden.

"#ichbinhier ist eine Aktionsgruppe zur Rückeroberung der Diskussionskultur in den sozialen Medien. Hass, Beleidigung, Respektlosigkeit, Lüge, Sexismus und Destruktion wollen wir Konstruktivität, Mut, Offenheit und höfliche Entschiedenheit entgegensetzen. Je mehr Menschen die Kommentarspalten der großen Online-Medien deeskalieren, desto besser wird der allgemeine Umgang miteinander. Jede konstruktive Stimme macht den Unterschied.
Es ist wie auf einem Marktplatz. Wenn 500 Leute Gerüchte verbreiten, Angst schüren oder andere angreifen, dann wird die Stimmung eskalieren. Kommen 100 Menschen mit konstruktiven Vorschlägen, Informationen und einer offenen Grundhaltung dazu, kann sich die Stimmung drehen. Diese kritische Masse wollen wir sein."
(Auszug Gruppenbeschreibung #ichbinhier auf Facebook)

#ichbinhier ist ein Zusammenschluß von Menschen, die die öffentliche Meinungsbildung nicht allein den Hassern überlassen wollen - keine politische Parteiarbeit, sondern gesunder Menschenverstand, Respekt, höfliche Entschiedenheit, Information, Fakten, Argumente und sachliche Diskussion statt Marktschreierei. Mit gutem Beispiel gemeinsam vorangehen und Diskussionen wieder auf ein Niveau bringen, das die Bezeichnung "menschlich" verdient. Eine Person allein kann wenig bewirken - viele zusammen aber schon.
Jeder, der sich gerne im Kleinen, aber mit Unterstützung vieler anderer engagieren würde, um dem Hass entschieden etwas entgegenzusetzen, ist eingeladen, sich nach seinen Möglichkeiten in Diskussionen einzubringen und so vielleicht die auf den Teppich und zu respektvollem Umgang zurückzubringen, die noch nicht ganz verloren sind für die Menschlichkeit in Deutschland und Europa. Ein Lichtstreif am Horizont, der sich hoffentlich europaweit durchsetzen wird.

Hier >  geht es zur Gruppe auf Facebook und auch zur kompletten Gruppenbeschreibung.

https://www.facebook.com/groups/718574178311688/

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Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minimalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier (fast) jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über (oder auch bereits vor einiger Zeit) eingefangen habe. Manchmal sind es nur die Bilder, manchmal aber auch Gedanken, die mich die Woche über bewschäftigt haben - so wie heute.
Wer mitmachen möchte ist herzlich eingeladen, seinen Himmel und den entsprechenden Post hier zu verlinken.
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Samstag, 7. Januar 2017

In heaven No. 245 - Dreikönigsmond

Sieht er nicht aus wie ein zusammengeklappter Crêpe, aus dem jeden Moment die Marmelade herausläuft? Appetitlich stand der Mond auf jeden Fall in der Nacht zum Dreikönigstag am Himmel in dieser eiskalten Nacht. Der Sturm bließ ihm die wärmenden Wolken vom kugelrunden Bauch und trotzdem schien er nicht zu frieren... der Beneidenswerte. Wer auch immer diese Mär erfunden hat, dass man mit ausreichend Speck auf den Rippen nicht frieren würde, war ein Idiot. Ist ja auch völlig unlogisch, schließlich sitzen die Kälterezeptoren nicht zwischen Speck und Muskeln, sondern in der Haut - warum sollte man dann also weniger frieren? Auf jeden Fall kenne ich niemanden, der so schnell und viel und unbandig friert wie ich und das trotz Speckschicht. Ich friere sogar an den Haaren. Ich schwör.

Es gibt kein falsches Wetter, sondern nur falsche Kleidung? Mir egal, ich bin für klirrende Kälte einfach nicht gemacht. Wie Menschen in Sibirien überleben können ist mir ein Rätsel, wie sie das in Australien tun, ebenso. Wenn es nach mir ginge, würde sich unser Klima in Deutschland ganzjährig zwischen 15 und 22°C bewegen. Aber ihr Eiseskälte- und Hochsommerhitzeliebenden habt Glück - es geht ja nicht nach mir. Also schlottere ich weiterhin von November bis März steif vor Kälte vor mich hin und hitzekomatiere im Juli und August, beziehungsweise werde in dieser Zeit zum Primärstubenhocker oder Schattenschleicher. 
Kreislauf trainieren? Morgens kalt duschen? Sport im Freien? Seid ihr wahnsinnig? Kaltes Wasser ist Folter (ähm...Sport auch). Ich Weichei, ich. Natürlich könnte ich auch auf die Kanaren auswandern, aber das restliche Jahr gefällt es mir ja ganz gut hier, das ist dann doof und außerdem könnte ich dann nicht mehr über das Wetter jammern und müsste mein Spanisch optimieren. Also weiterhin dickzwiebelig anziehen wie die kleine Hexe und noch drei Monate durchhalten, bis die Heizdecken, Wärmflaschen und Fellpuschen wieder ausziehen dürfen... bis zum nächsten Spätherbst.

Dreikönigs-Halbmond am 6. Januar.
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Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minimalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier (fast) jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über (oder auch bereits vor einiger Zeit) eingefangen habe. 
Wer mitmachen möchte ist herzlich eingeladen, seinen Himmel und den entsprechenden Post hier zu verlinken. Gerne auch eure Himmel der vergangenen zwei Wochenen zusätzlich, als ich wegen Weihnachten und Silvester) geschwänzt habe...
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Donnerstag, 5. Januar 2017

Wintermeer.




Atlantis

Es gibt Menschen,
die sind wie das Meer.
Hungrig.
Und schön.
Und wild.
Wie das Meer.
Ihre Hände, ihre Kraft, ihre Zweifel.
Ihre Einsamkeit.
Groß und furchtbar. Wie das Meer.
Ihre Lust. Wie Gischt.
Und ihre Angst.
Vor allem die Angst.
Dunkel und salzig.
Meermenschen.
Nehmen sich ein Herz – einfach so –
und tragen es fort.
Im Sturm. Nach Atlantis.

(S. Krause)



Boltenhagen . Ostsee . Vor einem Jahr

Inzwischen sind 16 Jahre vergangen, seit ich dieses Gedicht gefunden und vier Jahre, seitdem ich hier meine Gedanken dazu aufgeschrieben habe. Und immer noch sind es die ersten Worte, die mir einfallen, wenn ich am winterlich aufgewühlten, tosenden Meer stehe, die Brandung um meine Füße spült und der Gischtnebel auf meinem Gesicht bizzelt und meine Haare kräuselt.
Schon wenn ich morgens meine Augen aufmache, noch fest eingekuschelt unter der warmen Decke liegend und diesen auf- und abschwellenden, wütenden Ton der Brandung höre, werde ich ganz kribbelig und muss unbedingt sofort sehnsüchtig dorthin. Ans Meer. Mein Gesicht in die Gischt und den Wind halten, atmen, schauen.
Diese Sehnsucht nach dem aufgewühlten Meer wird wohl für immer bleiben, genau wie dieses Herzhupfergefühl auf hohen Bergen, in tiefen Klammen und in moosigen, farnigen Wäldern. Was immer es anrührt in mir - es gehört dort hin.

Ostsee, Meer im Winter, Brandung, Gischt, Meermenschen, Wellen, Atlantis, Wintermeer, Ostsee im Winter, Boltenhagen, Meerblick

Dienstag, 3. Januar 2017

Auf den Seiher.

Wenn man sagt, etwas gehe einem auf den Seiher, dann meint man in der Regel, dass einem etwas auf die Nerven geht. Aber warum sagt man das dann nicht auch einfach, sondern verwendet "Seiher" als Synonym für "Nerven"? Womöglich hat das ja etwas damit zu tun, dass Nerven nicht nur in der Form von Drahtseilen auftreten, sondern auch schon mal ganz schön löchrig und durchlässig sein können, wenn sie überstrapaziert werden... na eben wie ein Seiher. Seiher verwendet man in der Küche, um Feststoffe von Flüssigem zu trennen, wobei die Feststoffe im Seiher hängenbleiben, die Flüssigkeit abläuft. Wenn mir also etwas "auf den Seiher geht", dann bleibt es darin liegen. Auf den Nerven. Oder so. Sagt man eigentlich auch, dass einem etwas "auf das Sieb" geht? Nein? Warum eigentlich nicht? In den viel feineren Löchern eines Siebs bleibt noch viel mehr hängen als in den größeren eines Seihers und bisweilen wäre es da durchaus passender, wenn... egal. Ein richtig feines Sieb wäre hier eh nicht verwendbar gewesen, denn dessen Löcher sind zu klein für Sticknadeln. Also braucht man für dieses DIY löchertechnisch schon eher einen Seiher, der aber bitte wie ein Sieb aussehen soll. Also größere Löcher, aber Sieboptik und Vintage sollte es auch sein.

Wenn man normalerweise auf Flohmärkte geht, dann stapeln sich dort die alten, abgewrackten Siebe und Seiher... zumindest war das in meiner Erinnerung so. Wenn man aber vor Weihnachten speziell nach einem alten Reissieb-Seiher sucht, dann scheint genau dies das Unmöglichste zu sein, was man auf einem Flohmarkt finden könnte. Vier Flohmärkte später waren wir dann schließlich doch erfolgreich und der Raumfeenachwuchs konnte sein Oma-Weihnachtsgeschenk mit Hilfe eines Vintage-Reissiebs, Stickgarn und einer Nadel in Angriff nehmen...

Braucht es da eine Anleitung zum Nachbasteln? Ich glaube nicht. Es wäre die zwölfhundertdrölfzigste für Kreuzstiche und die Eulen-Vorlage für das Stickmuster ist ein Freebee aus dem Netz. Und weil ich euch für absolut klug genug halte, das anhand eines Fotos nachzubasteln, falls gewünscht, muss ich mich jetzt nicht mit einer weiteren Anleitung wichtig machen. Wenn ein Zwölfjähriger das hinkriegt, dann auch ihr.

Stickgarn und Sticknadeln (genauso wie Stricknadeln, Wolle, Stickrahmen, Knöpfe und Gardinenringe) in den unterschiedlichsten Farben finden wir übrigens immer im Gebrauchtwarenhof, da hier gerne die Handarbeitskörbe aus Omas Haushaltsauflösung landen. Neues Leben anstatt wegwerfen. Besser.
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Samstag, 31. Dezember 2016

Auf ein Neues.

Und wieder geht heute ein Jahr zu Ende. Ein Jahr, das für uns eine sehr aufwühlende, anstrengende Zeit war. Mehr neue Herausforderungen, mehr unfreiwillige Beschäftigung mit Vergangenheit und Zukunft, mehr Aufwühlendes, mehr Schmerzhaftes, mehr Erschütterndes, mehr fassungslos Machendes, mehr, als ich irgend jemandem ernsthaft wünschen würde. Manchmal hat es sich so angefühlt, als solle dieses Jahr ein komischer Test sein, wieviel ich und meine Contenance aushalten können. Mal hab ich gewonnen, mal nicht. Es gab wunderschöneMomente voller Licht und Glanz, in denen ich diesem komischen Plan ein Schnippchen schlagen und mich ausklinken konnte, um ganz bei mir zu sein und schließlich... ich habe es überlebt. Auf jeden Fall werde ich dieses Jahr sicherlich nicht so schnell vergessen. Mir selbst und euch allen wünsche ich ein kommendes Jahr mit viel mehr Frieden, Leichtigkeit, Lachen, Licht, Ruhe und Gesundheit und besonnenen, klugen, freundlichen Menschen um euch herum. Macht das Beste daraus! 

Ein kleiner Rückblick auf das vergangene Blogjahr soll dieses abschließen. Ein Klick auf das jeweilige Bild fürt euch zu den Blogposts dieses Monats zurück... wenn ihr wollt.

Januar 2016

https://dieraumfee.blogspot.de/2016_01_01_archive.html

Februar 2016
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März 2016
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April 2016
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Mai 2016
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Juni 2016
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Juli 2016
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August 2016
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September 2016
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Oktober 2016
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November 2016
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Dezember 2016
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Raumfee Jahresrückblick 2016, Gutes Neues Jahr, Neujahrswünsche

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Dezembertisch . Der weihnachtliche Ausklang

Die Weihnachtsfeiertage liegen hinter uns. Wir sind in diesen Tagen um Beulen am Auto, einen Rohrbruch, schöne Eindrücke und liebe Gaben und die Hüften um einen Ring reicher geworden und die Welt der Lebenswegbegleiter um einen Cousin, einen George und eine Prinzessin Leia ärmer. Während sich meine familiäre Welt und die der Menschen, mit deren Filmen und Musik ich aufgewachsen und erwachsen geworden bin, immer mehr und schneller ausdünnt, scheint auch der Strudel an kleineren und größeren Malesten immer mehr Fahrt aufzunehmen. Oft gar nicht so einfach, nicht mitgerissen und weggespült zu werden. Den Anker auswerfen in rauher See, wieder und wieder... ist anstrengend. Meine so klein geschrumpfte Familie ist ein solcher Anker, zu der die Welt dann auch mal keinen Zutritt hat und weitere Katastrophen bitte draußen bleiben. Gemeinsame Zeit in Zeitlupe.



So könnte man auf den ersten Blick auch meinen, unser Tisch im Dezember wäre immer noch der selbe wie im November. Aber... ja und nein. Während der graugugelhupfige Adventskranz vom 1. Advent nämlich noch im November zu meiner Schwester umgezogen ist, hat hier ein kupfergugelhupfiger Adventsbruder seinen Platz eingenommen und erleuchtet uns seitdem die Weihnachtszeit. Und da sind sie auch wieder, die Rehe vom vorletzten Jahr. Gehören auch zur Familie Slowmood.



Hyazinthen gehören übrigens zu den Spargelgewächsen, wusstet ihr das? Vom Verzehr würde ich aber trotzdem dringend abraten, das würde wohl niemandem bekommen. Für mich sind sie jeden Winter geliebte Symbole der Hoffnung. Darauf, dass der Winter, das Grau, die Dunkelheit irgendwann ein Ende hat und das Leben, das Licht und die Freude zurückkehrt - unaufhaltsam, umwerfend, duftend und mit aller Macht. Muss.

Kupfer-Gugelhupf: Erbstück
Holzdose: Gebrauchtwarenhof
Steckmoos und Stacheldrahtpflanzen: Gartencenter
Tannenbäumchen und Kerzen: Depot


Monatstische 2016

Meine anderen Monatstische findet ihr alle > hier.

verlinkt mit:  
12tel-Blick bei Tabea
Creadienstag
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Donnerstag, 22. Dezember 2016

Weihnachten.

Egal wo ihr lebt, wo ihr geboren wurdet, welche Hautfarbe ihr habt und an welchen Gott ihr glaubt...

Ich wünsche euch allen von ganzem Herzen ein friedliches Weihnachtsfest mit euren allerliebsten Menschen.

Einer der acht kleinen Engeln, die wir als Kinder zusammen mit unseren Eltern auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt gekauft haben und der seit über 40 Jahren jedes Jahr den Weihnachtsbaum im Elternhaus schmückte. Dieses Jahr fliegt und singt er zum ersten Mal bei mir. Für immer.
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Dienstag, 20. Dezember 2016

Von Märchen, Glühwein und Orks.

Am Sonntag stürmten die Heere der fiesen, zähnefletschenden Orks auf den einsamen Berg zu, wo die arroganten Herrscher der Menschen, Zwerge und Elben gerade dabei waren, ihre Soldaten ohne Rücksicht auf Verluste aus verletztem Stolz, Narzissmus, Macht- und Geldgier gegeneinander zu hetzen und in Tod und Verderben zu stürzen. Während die Anführer, machtgeil und geblendet vom Gold, stur auf Krieg beharrten, beschämten die Gutmenschen in den jeweiligen Lagern ihre kaltherzigen Kriegsherren durch selbstlose Menschlichkeit, gegenseitige Unterstützung, mutige Zivilcourage und heldenhafte Liebe. Die vermeintlichen Gegner besannen sich schließlich, verbündeten und unterstützten sich und stampften mit empathischem Teamgeist und etwas Magie alle gemeinsam die seelenlosen Orks in Grund und Boden. Ein weiser alter Mann, ein herzensguter Hobbit, mutige Menschen, viele Zwerge, mehr Elben, von allen die besten mit Herzensbildung, noch mehr Orks und so viele Déjà vus.

Am Samstag hatte ein netter Professor für Literatur auf Facebook den gut gemeinten Rat gegeben, den Kindern doch wieder mal richtige Märchen vorzulesen... und wurde dafür vom Mob verhöhnt und niedergemacht. Von einem Mob, der Märchen für völlig veraltet, lächerlich und überflüssig hält. Ich stand mit meiner Zustimmung auf fast verlorenem Posten.

Orks haben keine Eltern, die sie geliebt, ihnen von der Welt erzählt und ihnen Märchen vorgelesen habe. Sie werden aus Schlamm geboren und von anderen Orks durch Kaltherzigkeit und Hass konditioniert. Wer selbst nie Verfolgung, Not, Angst und Krieg erlebt und auch keine Eltern hat, die noch von dem Grauen aus erster Hand erzählen könnten... wer unter empathielosen Menschen aufwächst und seine Bildung fast ausschließlich aus seiner persönlichen Filterblase bezieht... wer ohne humanistische Vorbilder und ohne die moralischen Instanz von Märchen aufgewachsen ist... der wird womöglich zwangsläufig ein Ork.

Ich glaube, sehr vielen Kindern werden heute keine traditionellen Märchen mehr vorgelesen und die erwachsenen Kinder verstehen deshalb auch die Parabeln und den Sinn hinter den Märchen nicht mehr. Das herzliche, bescheidene Gute gegen das kaltherzige, gierige Böse... doch am Ende siegt immer das Gute und wird reich belohnt, während das Böse seine gerechte Strafe erhält. Sei einfach kein Arschloch... das ist die so einfache wie nachvollziehbare Moral hinter allen traditionellen Märchen, völlig unabhängig davon, welchem Kulturkreis sie entstammen. Herzensbildung.
Für die heutigen Erwachsenen hätten wir vor zwanzig, dreißig, vierzig Jahren viel mehr traditionelle Märchen gebraucht und dazu herzenswarme Eltern, die sie vorlesen. In einer Welt, in der die Gier, der Narzissmus und das Böse immer öfter gewinnt, brauchen wir Märchen dringender denn je, davon bin ich fest überzeugt. Wir brauchen keine frühkindliche Förderung mit Mandarin und Kniggeschule, sondern deutlich mehr Herzensbildung. Deshalb schließe ich mich dem Wunsch an, dass wieder mehr Eltern ihren Kindern Märchen vorlesen. Ich glaube, Kinder brauchen viel mehr Märchen.

Und der Glühwein? Der Glühwein sollte an dieser Stelle als Hommage an das Gefühl der Weihnachtszeit und an traditionelle Weihnachtsmärkte stehen. Ein Stück real erlebbare Märchenwelt als Insel in der momentan oft eiskalten Realität. Gemeinsam über den Weihnachtsmarkt bummeln, hier und dort naschen und, den Weihnachtsbaum schmücken und eingemummelt auf der Couch zusammen mit den drei Nüssen für Aschenbrödel den restlichen Abend verbringen, ist für mich die Umschreibung meines Weihnachtsgefühls schlechthin.
Und dann der gestrige Abend. Unschuldige Menschen, ermordet und verletzt auf einem Weihnachtsmarkt, von einem hasserfüllten, verblendeten Ork. Und dann sofort tausende weitere, die hasserfüllt und empathiebefreit direkt danach die Opfer und ihre trauernden Angehörigen dieses feigen Mordanschlags für ihre politische Propaganda instrumentalisieren und dabei nicht mal merken, dass sie damit keinen Deut besser sind als der Mörder selbst. Orks.


Als ich gestern am späten Abend einem Freund von meinem eigentlich geplanten Post für heute erzählte, sagte er, dass ich diesen Post gerade deswegen erst Recht schreiben sollte. Weil diese mit Worten und Taten hetzenden und mordenden Orks sonst gewonnen hätten. Und er hat Recht.
Wo das Ziel ist, uns durch Terror, Mord, Angst, Panikmache, Schuldzuweisungen und tumbe Hetzerei unsere Freiheit zu nehmen und die Gesellschaft zu spalten und gegeneinander aufzuhetzen, um sie zu zerstören, da ist die einfachste Form von Protest, genau das nicht zuzulassen.
Meine Empathie gilt den Opfern und den Angehörigen feiger Mordanschläge, die nichts anderes wollten, als sich friedlich gemeinsam in der Öffentlichkeit zu bewegen - so wie die meisten Terroropfer weltweit. Mein Mitgefühl gilt auch den Augenzeugen und Rettungskräften.
Meine Angst, meinen Hass und vor allem meine Freiheit, die kriegen die Orks dagegen nicht - völlig egal, woher sie kommen, welche Nationalität sie besitzen, an welchen Gott sie angeblich glauben und welcher Partei sie angehören. Fuck you.

Deshalb bleibe ich (trotzig) bei meiner zumindest kleinen Hommage an das Weihnachtsgefühl. An sinnlich duftende, wärmende Gewürze und das Gefühl von Menschlichkeit, Daheimsein und Geborgenheit. Kein Orkgefühl.


Glühwein-Gelée

Zutaten (für 3 Gläser à 400g):

1 Flasche halbtrockener Rotwein (hier: Dornfelder),
1 Flasche Heidelbeerwein (oder anderer Beerenwein oder auch nur Rotwein - dann wird es vielleicht etwas herber)
400g Gelierzucker 3:1
15 Nelken, 6 Zimtstangen, 6 Sternanis, 6 Kardamom-Kapseln, 6 Piementkörner, 1 Vanilleschote, 1 Stück Ingwer
Mit dem Sparschäler abgeschälte Schale von je einer Bio-Orange und Zitrone (oder fertiges Glühweingewürz
3 Schraubdeckelgläser à ca. 400ml

Zubereitung:

Beide Weine zusammengießen und gemeinsam mit den Gewürzen ca. 15 Minuten kochen lassen. Dabei verdampft ein Teil Flüssigkeit und der Alkohol. Dann durch ein Teesieb abgießen.
Gelierzucker zum Wein dazugeben, umrühren und nochmal 4 Minuten sprudelnd kochen lassen. In der Zwischenzeit die Gläser heiß spülen.
Das heiße Gelée in die vorbereiteten Gläser füllen, Deckel drauf, fertig.

Ein märchenhaftes Mitbringsel zum Weihnachtsessen, perfekte Füllung für Plätzchen und so weihnachtlich lecker auf dem Frühstücksbrot.

Und heute Abend... gehe ich auf unseren Weihnachtsmarkt. Jetzt erst recht.

Verlinkt mit:
Creadienstag


#berlin #breitscheidplatz #weihnachtsmarkt #glühwein #glühweingelée #meineangstkriegtihrnicht #orks #hasssucks

Samstag, 17. Dezember 2016

In heaven No. 244 - Paralleluniversum

Die asozialen Netzwerke sind nichts für mich. Diese Erkenntnis nehme ich in die letzte Woche vor Weihnachten mit. Eine solche Konzentration an Ignoranz, Empathiefreiheit, Narzissmus, an übelkeitserregendem, rassistischem, tumbem, aggressivem Hass und an Paralleluniversen ist mehr, als ich ertragen kann. Ginge man davon aus, dass der Mob, der sich auf FB in Kommentaren erbricht, einen repräsentativen Meinungsquerschnitt Deutschlands darstellen würde, dann ist der Gedanke an das Aussterben der Menschheit auf einmal eine reizvolle Option. Dann ist da für einen Sekundenbruchteil dieses Bild... wie alle jene hasserfüllten Hetzer in Flugzeuge strömen, die vermeintlich nach Malle fliegen sollen... und dann mit einem Fallschirm über Ost-Aleppo....... kick. Das Bild brennt sich ein.

Städtisches Paralleluniversum zwischen Fastfoodkaschemme und Discounter.

Die Ruhe bewahren, wieder und wieder, argumentieren, aufrecht stehen, nicht wanken - ein Aufgabe, die mich zunehmend überfordert. "Halt einfach deine dumme Fresse!" wird auf einmal zwangsläufig zu dem, was einem selbst ab und zu als erstes auf der Zunge liegt und jemandem ins Gesicht gespuckt werden möchte, weil es einfach irgendwann genug ist. Mehr als genug. Man erschrickt über sich selbst.
Eine Alternative wäre, sich aus Selbstschutz in (a)sozialen Netzwerken auch ein Paralleluniversum zu schaffen, indem man konsequent jeden Schlechtmensch blockiert. Aber wer stellt sich dann der sich immer weiter gegenseitig hochschaukelnden Dummheit, Anmaßung, Hetze und dem Hass entgegen? Das ist also auch keine Lösung. 

Der Mond... bleibt immer ruhig und gelassen.

Zumindest eine Auszeit muss aber sein - um nicht zum dauerfremdschämenden Menschenhasser zu werden, den Meinungsquerschnitt der Gesamtbevölkerung wieder gründlich gesundzurelativieren und seine eigene Explosionsschwelle wieder auf ein Normalmaß zu regulieren. Facebook-Heilfasten zu Weihnachten für den eigenen inneren Frieden.

Schall... und Rauch.

Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minimalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über (oder auch bereits vor einiger Zeit) eingefangen habe.  Wer mitmachen möchte ist herzlich eingeladen, seinen Himmel und den entsprechenden Post hier zu verlinken.
Himmel,sky,skywatch, Himmelsansichten, in heaven, Himmelsblick, im Himmel, Winterhimmel, Abendrot, Sundown

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Sternreich . Wortarm






Ritterstern mit zwölf Blüten . Entstanden aus Ruinen . Mal wieder. Hoffnungssterne
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