Samstag, 18. April 2015

In heaven No. 161 - Himmelsbonus

Letzte Woche strahlend blauer Himmel, diese Woche Grau mit einzelnen Schauern... April eben. Und weil das da oben doch recht trist ist, habe ich euch dafür vom letzten Wochenende noch ein bisschen Bonusmaterial zum Himmel mitgebracht. Eben jener in dezentem Regenwolkengrau spannte sich nämlich über dem Wolfgangshof in Anwanden, wo am letzten Wochenende die alljährliche Frühjahrslust stattfand. Es war voll und nass von oben, aber trotzdem mag ich den alten Faber-Gutshof genug, um mich mindestens einmal im Jahr durch diesen immer sehr gut besuchten Markt für Garten und Kleintiere zu stauen. Wobei Schafe und Ziegen ja jetzt eigentlich gar nicht so klein sind, nicht zum Verkauf standen und ansonsten nur Hühner anwesend waren. Markt für Garten und Hühner also eigentlich. Und Essen. Viel Essen. Aber zuerst: Samstagsaprilregenhimmel mit Hofgutwindrad.












Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minimalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über eingefangen habe. 
Wer mitmachen möchte ist herzlich eingeladen, seinen Himmel, seine Gedanken und den entsprechenden Post hier zu verlinken.

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Mittwoch, 15. April 2015

Weißdorn.

Wenn man im Moment über Land fährt, dann leuchten die Heckenstreifen zwischen den Felden schaumig weiß. Schlehen, Vogelkirschen und Weißdorn bauschen ihre Blüten wie die Schaumkronen sich brechender Wellen auf und verwandeln die Felder in braune oder hellgrüne Meere. Weil ich nicht jeden Tag durch die Felder fahren kann, habe ich mir ein bisschen Frühlingsmeer nach Hause geholt...




Weißdorn gehört zu den Rosengewächsen und ist nicht nur hübsch anzuschauen und seine Beeren nicht nur für Marmelade zu gebrauchen, er ist auch eine wichtige Wirtspflanze für die Raupen vieler Schmetterlingsarten, im Winter Wildvogelfutter und eine wichtige Heilpflanze. In Notzeiten wurden die Früchte als Mus gegessen, getrocknet zu Mehl verarbeitet und die Kerne als Kaffee-Ersatz verwendet. 
Blätter, Blüten und Früchte wirken beruhigend, gefäßerweiternd, blutdrucksenkend und durchblutungsfördernd, werden traditionell zur Stärkung des Herzens angewendet und sind auch heute in vielen Herzpräparaten zu finden. Schon seit mehr als 2.000 Jahren wird Weißdorn in Europa, aber auch in Nordamerika und China als Heilpflanze gegen Herzinsuffizienz verwendet. Für die Wirkung auf das Herz sind hauptsächlich oligomere Proanthocyanidine (OPC) verantwortlich, die nebenwirkungsfrei die gleiche Wirkung erzielen sollen wie die Chemiekeule der Pharmaindustrie. 



Weißdorn soll der Mythologie nach nicht nur Wohnung der Elfen sein, sondern auch die Kraft haben, böse Geister abzuwehren und vor Verhexung zu schützen, weshalb er schon immer gerne zur Umfriedung von Haus und Hof angepflanzt und sein Holz für die Herstellung von Kinderwiegen verwendet wurde. Abwehr von Verhexungen? Wer kann das nicht gebrauchen.
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Alle Gegenstände auf den Fotos: Gebrauchtwarenhof oder Flohmarkt

Sonntag, 12. April 2015

Gibidum.

Gestern habe ich mit einer Orchidee Musik gemacht. Wie es dazu kam und was es damit auf sich hat, das werde ich euch bei anderer Gelegenheit noch ausführlich erklären, aber unter anderem hat mich diese Erfahrung auf ein Thema zurückgebracht, das mich vorletzten Sommer in der Schweiz sehr beschäftigt hat. Vielleicht erinnert ihr euch noch an mein Erlebnis absoluter Seligkeit am Rhônegletscher, das mich völlig unvorbereitet getroffen hat und das Gefühl großer Beklemmung und Last wie von tausend Tonnen Blei auf der Grimsel-Passhöhe. Damals habe ich Vermutungen über die Gründe angestellt, aber ich konnte es mir nicht wirklich erklären.
Einen eventuellen Grund dafür lieferte mir Gestern der Mann mit der Orchidee. Jetzt werde ich mich schlauer machen und dann... komme ich darauf zurück. Beim Nachdenken über die Wirkung von Orten auf mich fiel mir aber ein Ort ein, den ich damals im Wallis auch besucht, aber über den ich nicht geschrieben habe. Warum? Vielleicht, weil er genau zwischen den beiden anderen Erlebnissen lag und sehr ambivalente Gefühle in mir ausgelöst hat - der Stausee Gibidum oberhalb von Blatten bei Naters. Aber von Anfang. Vom Ort aus folgten wir mit Katzenbegleitung erst mal der Straße immer bergauf...







.. bis wir den Stausee Gibidum erreichten. Der Stausee ist nach dem Berg Gibidum benannt, einem 2.317m hoher Gipfel im Kanton Wallis. Er wird vom Aletschgletscher gespeist, dem größten Gletscher der Alpen, ist bis zu 104 Meter tief und fliesst bei Hochwasser durch die Massaschlucht ab, die nach sechseinhalb Kilometern in Ried-Mörel endet. In den Sommermonaten liegt die Massaschlucht seit dem Staudammbau 1967 fast trocken, da das Wasser zur Stromgewinnung durch den Berg nach Bitsch in ein Kraftwerk geleitet wird.
Vor annähernd vierzig Jahren bin ich als Kind mit meiner Familie durch die Massaschlucht unterhalb der Staumauer gewandert und kann mich noch daran erinnern, wie beeindruckend schön die Wildheit der Schlucht schon damals für mich war und wie unglaublich beängstigend diese Betonwand von unten aussieht, die so unglaubliche Wassermassen zurückhält.



Ähnlich zwiespältige Gefühle befielen mich auch viele Jahre später wieder, als wir nach dem Aufstieg aus Blatten oberhalb der Staumauer ankamen. Blickt man auf eine solche Staumauer, scheint es an Wahnsinn zu grenzen, solche Eingriffe in die Natur vorzunehmen. Auf der einen Seite wirkt der aufgestaute See fast idyllisch eingebettet zwischen die Berghänge und ist doch ein von Menschenhand geschaffenes Werk zu ihren Zwecken, das seine Folgen jenseits der unglaublichen Mauer offenbart, die die Landschaft wie mit einem gewaltsamen Spatenstich teilt - ein vormals lebendiger Bach, der sich mit stetiger Kraft über Jahrmillionen tief in die Berge gegraben hat, wird samt dem in ihm befindlichen Leben geopfert, um Energie zu gewinnen für die Menschen, deren Bedarf daran immer noch größer und größer und größer wird.


Beim Herunterklettern der windigen Stahlstiege auf die Staumauer zitterten mir gehörig die Knie und eine solche Mauer zu betreten, löst doch beklemmende Gefühle bei mir aus. Sicherlich eine Meisterleistung der Ingenieurskunst und doch bleibt ein diffus ungutes Gefühl, ob das denn wirklich halten kann. Einerseits ist der Anblick des Stausees zwischen den Bergen beeindruckend schön, andererseits konnte ich mich beim Blick die Betonwand hinab eines Gefühls der Scham nicht erwehren, dass wir die Natur so vergewaltigen. Ein gefühlsmäßiger Zwiespalt und mit zwiespältigen Gefühlen bin ich von dort auch wieder aufgebrochen.




Der Weg zurück nach Blatten führte uns durch den schönen Wald parallel zur Schlucht und erst dort begann ich wieder,  mich entspannter zu fühlen, weniger hin- und hergerissen. Im schattigen Wald fiel - wie meistens - der Grübelmodus von von mir ab und ich konnte den Weg hinunter ins Dorf genießen. Was nachhaltig blieb, war der Zwiespalt zwischen der einerseits umweltfreundlichen, da regenerativen Energiegewinnung und andererseits den Folgen der enormen Eingriffe in die Natur, die dafür nötig sind - sowohl bei der Wasserkraft-, als auch bei der Windkraftnutzung.




... und ja, das mit der Orchidee, das erzähle ich noch, wenn es soweit ist. :-)
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Samstag, 11. April 2015

In heaven No. 160 - Déjà-vu

So wie mich die Natur oft zu Entwürfen inspiriert, so begegnen mir auch manchmal in der Natur Farbkombinationen oder Formenkanons, die ein Déjà-vu in umgekehrter Richtung auslösen. Als ich diese Kombination aus japanischen Kirschblüten und blauem Himmel sah, hatte ich sofort ein japanisches Seidensatin-Keid vor Augen, das ich vor Jahrzehnten in einem Schaufenster bewundert hatte. Das Motiv von rosa Kirschblüten auf himmelblauem Hintergrund kann gar nicht unmodern werden, weil es jedes Jahr ab Ende März in den Gärten auftaucht und als eine der ersten Frühlingsbotschaften die Herzen zum Hüpfen bringt. Wenn die japanischen Kirschen blühen, dann ist er nämlich endlich da, der Frühling.  
 

Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minimalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über eingefangen habe. 
Wer mitmachen möchte ist herzlich eingeladen, seinen Himmel, seine Gedanken und den entsprechenden Post hier zu verlinken.

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Donnerstag, 9. April 2015

Frühjahrsmüdigkeit.

Die Natur erwacht endlich, endlich zu neuem Leben, alles blüht und wächst und was wollen wir? Am liebsten den ganzen Tag schlafen. Das ist nicht nur meistens unmöglich, sondern auch ärgerlich. Schließlich möchte man den lange herbeigesehnten Frühling ja nun auch nicht verschlafen. Aber warum sind wir denn eigentlich so müde, wenn wir doch eigentlich allen Anlass dazu hätten, uns wieder lebendig zu fühlen? Nach dem dunklen Winter ist die Konzentration des Schlafhormons Melantonin im Blut besonders hoch, während durch das zurückkommende Licht und die Sonne aber gleichzeitig die Serotoninproduktion wieder kräftig angekurbelt wird... und ersteres weigert sich einfach, das Feld kampflos zu räumen. Das führt zu räftezehrenden Rangeleien, die einfach müde machen. Irgendjemand verliert den Kampf gegen den plötzlichen Frühjahrsschlafanfall immer zuerst. Und die andere... direkt danach. Das führt zu Frühlingskatzenstapeln.






Neben den rangelnden Hormonen weitet die zunehmende Wärme unsere Blutgefäße, woraufhin der Blutdruck absackt - das trägt zusätzlich dazu bei, dass wir uns schlapp und müde fühlen. Und wer so eine Frostbeule ist wie ich und deshalb das halbe Jahr mit zusammengekniffenen Blutgefäßen herumläuft, um nur ja möglichst wenig Körperwärme zu verlieren, den trifft die Wärmereaktion besonders hart und kommt erst Recht entsetzlich ungelegen... schließlich will man doch jetzt endlich auch was haben von der Sonne. Da hilft nur ein kurzer Mittagsschlaf, am besten draußen in der Sonne. Soll Sonne und frische Luft doch die beste Medizin sein, um unseren Hormonspiegel wieder in Schwung und ins Gleichgewicht zu bringen. (Eigentlich ja Bewegung an frischer Luft, aber das verschweigen wir mal lieber...)







Während im Hintergrund ein Apfelzweig noch darauf wartet, seine Blüten zu öffnen, sind die Zweige der wilden Mirabelle im Vordergrund schon eifrig dabei, genau das zu tun.
Ich liebe den Frühling... trotz viel müde.

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