Dienstag, 27. Januar 2015

Ohnezahn... pimp my tray.

Die Zeit, in der mein Sohn gerne Zeichentrickserien angesehen hat, war für mich Folter. Die meisten davon finde ich eine gruselige Zumutung an Zeichentechnik, Schnitt, Story, Humor und Synchronisation, abgestimmt auf die Annahme, Kinder wären prinzipiell blöde. Einige Ausnahmen gibt es, die sogar ich mir gerne angesehen habe, weil sie einfach gut gemacht sind. Ganz besonders mochte ich immer den Film "Drachenzähmen leicht gemacht" und die daraus generierte Serie "Die Reiter von Berk", die jene Abenteuer erzählt, die der Wikingerjunge Hicks mit seinem Drachen Ohnezahn und seinen Freunden erlebt. Gute Geschichten um Freundschaft und Loyalität, um Selbstzweifel und Mut, über Versuch, Scheitern und Gewinnen, um den Sieg des Guten über das Böse, Ironie statt platte Kalauer, Dialoge statt Gekreische, Spielfilm-Kameraführung statt hektischer Bildsprünge. So mag auch ich Zeichentrickfilme. Besonders angetan hat es mir immer Hicks Drachen Ohnezahn, dem unsere Katze erstaunlich ähnlich sieht, wenn sie die Ohren anlegt. Nur schwarze Schuppen, die hat unser Fellmädchen nicht und  gerade dadurch wird der Nachtschatten zu einem besonders geschmeidigen Drachen...





Als ich letztes Jahr irgendwann das Vintage-Tablett im Gebrauchtwarenhof entdeckte, war es nicht gerade eine Schönheit, aber ich fand, es hat durchaus Potential... und nahm es mit. Nach dem Zerlegen in seine Grundbestandteile stand fest, dass es ein schwarzes Schuppenkleid bekommen sollte... wie Ohnezahn.

So hab ichs gemacht:

Die Ausführung war ziemlich einfach. Alle Nägel von Außen mit einer kleinen Kneifzange herausziehen und den Boden so herauslösen. Das alte Wachstuch von der Sperrholzplatte abziehen. Den Rattan-Rahmen mit Seifenlauge und Wurzelbürste bearbeiten und gut trocknen lassen. Gelöstes Rattan eventuell wieder festleimen. Mit einem großen Kreisstanzer aus schwarzem Fotokarton viele Kreise ausstanzen und diese schuppenartig mit Weissleim (Holzleim) auf die Sperrholzplatte kleben. Beim > Buchlachs habe ich das gleiche Prinzip angewendet, nur dass ich dieses Mal die Kreise vollflächig verklebt habe.
Wenn alles gut getrocknet ist, die Platte umdrehen und den Kartonüberstand mit einem Cutter abschneiden. Die Platte auf der Vorder- und Rückseite insgesamt drei Mal mit mattem Klarlack überziehen, um einen Feuchtigkeitsschutz zu erreichen. Platte wieder in den Rahmen einsetzen und die Nägel von außen wieder einschlagen.
Ohnezahn-Tablett fertig.


Erstaunlicherweise sieht mehrfach matt lackierter Fotokarton aus wie Leder. Wusste ich vorher auch nicht, aber ich mag den Effekt. Und abwischbar ist das Tablett jetzt auch.

Mein zweiter Favorit unter den Kinderserien ist übrigens "Shaun das Schaf"... das schaue ich mir sogar ganz ohne Kinder an. :-)

Mehr Upcycling-Ideen von mir findet ihr  > hier.

 verlinkt mit: D.I.Y, DIY, Pimp my tray, Tablett aufhübschen, Upcycling, Redesign, Basteltips, Tablett aufarbeiten, Selbermachen, Serviertablett, Schuppen, Drachen, Fotokarton lackieren, gusseiserne Teekanne

Montag, 26. Januar 2015

Schneekönigin.

Eines der wenigen Märchenbücher, die ich aus meiner eigenen Kindheit in die Kindheit meines Sohnes hinüberretten konnte, war "Die Schneekönigin" von Hans Christain Andersen. Der glitzernde Palast aus Eis und Schnee, in dem die kalte Königin lebte, hat mich in dem so schön gezeichneten Buch damals weit mehr fasziniert als die Geschichte selbst. Gerne hätte ich euch das Buch heute gezeigt, aber es ruht inzwischen wieder auf dem Speicher in irgendeiner Kiste und wartet auf die nächste Generation. Trotzdem denke ich oft an die Illustrationen und auch an den Eispalast, den sich meine kindliche Phantasie damals ausgemalt hat. Als ich letztes Jahr durch den Rhonegletscher spaziert bin, hatte ich die Bilder sofort vor Augen und wäre wohl nicht überrascht gewesen, wenn die eiskalte Herrscherin in einem der Säle erschienen wäre. Den Palast der Schneekönigin finde ich aber nicht nur im Großen, sondern auch im Kleinen auf jedem unberührten Fleckchen Schnee wieder, vor allem, wenn die Sonne darauf scheint und sich in den gespreizten Schneekristallen millionenfach bricht, so dass die ganze Landschaft unwirklich glitzert. Dann sehe ich am Wegrand winzigkleine Eispaläste mit wilden Zacken, Bergen und Tälern, glitzernden Flächen und geheimnisvollen Schluchten und möchte den Schnee fast streicheln, weil er gleichzeitig aussieht wie das Fell eines glitzernden Eistieres im Tiefschlaf...













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"Am Wegesrand" bei Lotta
"Makromontag" bei Steffi

Samstag, 24. Januar 2015

In heaven No. 149 - Greyish Lavender

Als ich vor vierundzwanzig Jahren mit dem Studium begann, wurde noch fast ausschließlich von Hand gezeichnet und coloriert. Dementsprechend große Bedeutung wurde dem Erlernen der handwerklichen Zeichentechniken, der individuellen Strichführung und der ausdrucksstarken Colorierung von Plänen auch beigemessen. Jeder Student musste sich eine unfangreiche Grundausstattung an Zeichenlinealen, Bleistiften, Buntstiften, Pastellkreiden und Copic-Markern zulegen. Die verpflichtenden Buntstifte waren Cyanblau, Cadmiumgelb und Magentarot, weil sich aus diesen drei Farben zusammen mit Weiß und Schwarz alle Farben mischen lassen, doch bei den Kreiden und Markern waren wir frei in der Auswahl der Farben und konnten uns an unseren persönlichen Vorlieben orientieren, die wir auch in den Entwürfen einsetzen wollten.
Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, als ich zum ersten Mal einen Laden für Grafik- und Künstlerbedarf betrat und mir feierlich meine Lieblingsfarben als Marker aussuchte - gut aussuchte, denn Marker waren sehr teuer und ich musste mich auf die wichtigsten beschränken. Schon damals lagen mir die natürlichen Farben so viel mehr als die grellen und so bestand meine Auswahl auch primär aus Holzfarben und warmen Grautönen. Etwas Farbe musste aber trotzdem mit und so entschied ich mich nach langem Überlegen für Cool Shadow, Greyish Lavender und Smokey Blue... ein milchiges Graugrün, ein stark lilastichiges Grau und ein warmes Blaugrau. Während "Cool Shadow" der Farbe eines Gletschersees sehr nahe kommt, spielen "Greyish Lavender" und "Smokey Blue" sehr oft eine große Rolle am Winterhimmel, wenn der Tag die Nacht verdrängt, oder die Nacht den Tag in sein Schlafgewand kleidet... so wie sie das letzte Woche getan hat.



Noch heute finden sich alle diese damals ausgesuchten Markerfarben in meinem Fundus und werden ebenso wie die Bleistifte und die guten Buntstifte häufig benutzt. Die digitale Colorierung der Entwürfe kam ergänzend dazu, hat sie aber nie ganz verdrängt. Sehe ich mir heute die studentischen Portfolios an, die den Praktikumsbewerbungen beiliegen, dann finden sich dort so gut wie keine Handzeichnungen mehr. CAD Layout hat die Handarbeit an dieser Stelle in der Ausbildung so gut wie ersetzt, im praktizierten Berufsleben sowieso. Das hat durchaus große Vorteile im Bereich der Wirtschaftlichkeit, was die Überarbeitung von Entwürfen und Ausführungsplanung und deren digitale Kompatibilität mit anderen am Bau Beteiligten angeht, aber meiner Meinung nach ist damit auch ein ganz entscheidender Aspekt der Architekturzeichnung verlorengegangen - die Handwerklichkeit, die individuelle Handschrift, die Lebendigkeit. Digital visualisierte Entwürfe sind zwar oft fotorealistischer als Handzeichnungen, für mich sind sie aber auch austauschbar und leblos. Deshalb bleibe ich ein trotziger Dinosaurier mit meinem Papier, meinen Linealen, Markern und Stiften und nutze den Computer nur als unterstützendes Hilfsmittel für meine Handzeichnungen. Ein Dinosaurier mit Notebook und WLAN.

Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minivalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über eingefangen habe. 
 
Wer mitmachen möchte ist herzlich eingeladen, seinen Himmel und den entsprechenden Post hier zu verlinken.
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Donnerstag, 22. Januar 2015

Das Ohnebrot.

Brotbacken ist eine exakte Wissenschaft für vorausschauende, disziplinierte, geduldige Menschen. Also zumindest erscheint mir das immer so, wenn ich die Rezepte zu den umwerfend aussehenden Broten von Micha lese, bei denen mir jedes Mal das Wasser im Mund zusammenläuft. Schon beim Vorteig oder spätestens beim Brühstück erleide ich einen mentalen Schwächeanfall und gebe auf. Lasst es mich so sagen: Geduld ist nicht meine größte Stärke. Gekocht wird in meiner Küche jeden Tag genau dann, wenn sich der Hunger meldet und das bedeutet... es muss schnell und unkompliziert sein. Gebacken wird hier nur selten und obwohl ich nur wenig so lecker finde wie ein Stück frischgebackenes, knuspriges Brot mit Butter, wird hier noch seltener Brot gebacken - weil mir das einfach alles zu lange dauert. Dann gibt es allerdings die Situationen, in denen ganz plötzlich der Montag vor der Tür steht, der Brotkasten leer ist und ich gedanklich schon ein motziges Kind morgens lustlos im Obstmüsli stochern sehe. Dann bequeme ich mich im Sinne eines friedlichen Tagesbeginns doch dazu, so etwas ähnliches wie Brot in den Ofen zu schieben, um den Tag nicht mit Frühstücksstreik beginnen zu müssen. Weizenmehl gibt es hier allerdings fast nie, Hefe auch nicht und wenn ich denn schon für den vitaminverweigernden Rotzlöffel Brot backen muss, dan treibt der Trotz manchmal ungewöhnliche Zutaten in den Teig und dieses Mal konnte man das Ergebnis überraschenderweise auch noch gut essen. Auch blinde Hühner und faule Bäckerinnen finden mal ein Brot - ohne Weizenmehl, ohne Hefe, ohne Sauerteig... ein Freistil-Ohnebrot also.


Freistil-Ohnebrot

Zutaten:

500g Dinkelvollkornmehl, 100g Leinsamenmehl, 100g Lupinenmehl, 100g Erdmandelmehl, 50g Braunhirsemehl, 50g Buchweizenmehl, 100g Haferflocken, eine Hand voll Kürbiskerne, 2 Päckchen Weinstein-Backpulver, 2 TL Salz, 1/2 TL gemahlener Kümmel, 1 Liter warmes Wasser
(Alle Zutaten gibt es hier im Bio-Supermarkt)

Zubereitung:

Das Leinsamenmehl im warmen Wasser 30 Minuten quellen lassen, dann alle anderen Zutaten dazugeben und mit dem Knethaken des Handrührgerätes 2 Minuten lang durchkneten. Der Teig ist relativ flüssig. Eine große oder zwei kleine Kastenformen mit Backpapier auskleiden und den Teig bs auf  3/4 Höhe einfüllen.
Auf der mittleren Schiene im vorgeheizten Backofen bei 200°C Ober-/Unterhitze ca. 60 Minuten backen. Das Brot mehrmals oben mit Wasser einpinseln, dann kriegt es eine noch bessere Kruste als bei mir.
Gesamtzubereitungszeit inklusive Backen: 1h 45 Minuten



Die Konsistenz ist etwas krümeliger als bei Hefebrot, und optisch kriecht es in Demut im Staub von Michas großartigen Brotbackwerken, aber mit einem scharfen Messer lässt es sich trotzdem gut schneiden und bestreichen. Und wenn es sogar durch den kindlichen Ich-disse-alles-was-nicht-aus-Weißmehl ist-TÜV kommt, dann scheint es als Notbrot doch ganz gut zu schmecken. Finde ich übrigens auch.
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Dienstag, 20. Januar 2015

Winterbäume.

Nimmt man die Alpen als Vergleich, dann ist das Nürnberger Land flach wie ein Brett. Selbst mit Mittelgebirgen wie dem Schwarzwald, dem Spessart oder der Rhön kann es sich nicht messen. Verglichen mit Norddeutschland, ist das Gebiet rund um Nürnberg allerdings durchaus... bergig. Was schon allein deshalb klar ist, weil ich ja hier wohne. Ohne Berge oder zumindest Hügel mit viel Wald fehlt mir die Landschaft und wenn ich donnerstags schon sehe, wer samstags zu Besuch kommt, dann bekomme ich Beklemmungen. Ich brauche Hügel, Wald und Wasser um mich herum und davon gibt es in unserer Region zum Glück reichlich. Zum Beispiel den Rothenberg bei Schnaittach, auf dem nicht nur eine gewaltige, trutzige Festung tront, sondern der auch ausreichend Gefälle und Schnee für rasante Rodelabfahrten über siebenhundert Meter und sogar zwei Skilifte bietet. Wer weder zu dem einen noch dem anderen Lust hat, der zieht eben warme Stiefel an und macht einen Winterspaziergang durch die verschneiten Obstgärten mit wunderbaren Ausblicken in das Tal der Schnaittach... und genießt den Anblick am besten bis zum Sonnenuntergang.















Die Marktgemeinde Schnaittach liegt ungefähr 50km nordöstlich von Nürnberg zwischen Lauf und Simmelsdorf. der Rothenberg ragt immerhin 531m über den Meeresspiegel und 200 Höhenmeter über den Ort Schnaittach. Die Bergfestung Rothenberg ist von März bis November zu besichtigen.

Ein perfektes Winter-Ausflugsziel mit Kindern... wie der Zeitsprung in den Februar des Jahres 2005 zeigt, zur ersten (Hunde-)Schlittenfahrt des Lieblingssohnes.



verlinkt mit:
"Winterbäume" bei Lottas Augen-Blick
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Sonntag, 18. Januar 2015

Weil sie weich sind.

Schöne Fraun mit schönen Katzen

Schöne Fraun und Katzen pflegen
Häufig Freundschaft, wenn sie gleich sind,
Weil sie weich sind
Und mit Grazie sich bewegen.

Weil sie leise sich verstehen,
Weil sie selber leise gehen,
Alles Plumpe oder Laute
Fliehen und als wohlgebaute
Wesen stets ein schönes Bild sind.

Unter sich sind sie Vertraute,
Sie, die sonst unzähmbar wild sind.

Fell wie Samt und Haar wie Seide.
Allverwöhnt. - Man meint, daß beide
Sich nach nichts, als danach sehnen,
Sich auf Sofas schön zu dehnen.

Schöne Fraun mit schönen Katzen,
Wem von ihnen man dann schmeichelt,
Wen von ihnen man gar streichelt,
Stets riskiert man, daß sie kratzen.

Denn sie haben meistens Mucken,
Die zuletzt uns andre jucken.
Weiß man recht, ob sie im Hellen
Echt sind oder sich verstellen?

Weiß man, wenn sie tief sich ducken,
Ob das nicht zum Sprung geschieht?
Aber abends, nachts, im Dunkeln,
Wenn dann ihre Augen funkeln,
Weiß man alles oder flieht
Vor den Funken, die sie stieben.

Doch man soll nicht Fraun, die ihre
Schönen Katzen wirklich lieben,
Menschen überhaupt, die Tiere
Lieben, dieserhalb verdammen.

Sind Verliebte auch wie Flammen,
Zu- und ineinander passend,
Alles Fremde aber hassend.

Ob sie anders oder so sind,
Ob sie männlich, feminin sind,
Ob sie traurig oder froh sind,
Aus Madrid oder Berlin sind,
Ob sie schwarz, ob gelb, ob grau, -

Auch wer weder Katz noch Frau
Schätzt, wird Katzen gern mit Frauen,
Wenn sie beide schön sind, schauen.

Doch begegnen Ringelnatzen
Häßlich alte Fraun mit Katzen,
Geht er schnell drei Schritt zurück.
Denn er sagt: Das bringt kein Glück.

(Joachim Ringelnatz, deutscher Schriftsteller, Kabarettist und Maler, 1883 - 1934) 
(Und unsere Hobbit-Katze Momo)

(Quelle: "Katzenliebe. Ein Lesebuch", Hans Gustav Bötticher (eigentlicher Name von Ringelnatz), 1995, Verlag Schöffling & Co. Frankfurt, S. 62-64)
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