Donnerstag, 28. Mai 2015

Maiwipfel.

Die mag ich. Im Allgemeinen, von ganzem Herzen und im Besonderen auch. Das treibende Grün des Mais, der mit seiner fetten Pracht das Herz höher schlagen lässt und so viel Lebenswille, Lebenskraft und Lebensfreude demonstriert, dass man sein Gesicht hineindrücken, sich darin wälzen, daran berauschen und sattfressen möchte, jedes Jahr aufs neue - das liebe ich. Besonders mag ich die unbändige Energie und das satte Grün der austreibenden Äste und Wipfel. Könnte man sich die nur für den Rest des Jahres konservieren und immer dann, wenn es an Energie fehlt, ein bisschen daran schnuppern und einen Schluck, einen Happen davon nehmen. 
Kann man. Zumindest ein bisschen. Maiwipfelsirup enthält für mich Kindheit. Kindheitswochenenden und Ferien im Schwarzwald, abrufbar mit jedem Schnuppern über dem Glas und mit jedem Bissen auf dickem Bauernbrot mit Butter. Zack, sofort ist der Flashback da. Der dichte, dunkle Tannen- und Fichtenwald, das Moos, die Bäche, den Farn, das Glucksen des Baches, der Holzfeuergeruch und ich sitze wieder vor dem Wohnwagen auf dem Alisehof beim Frühstück und bin acht Jahre alt.





Maiwipfelsirup

Zutaten:

eine Schüssel voller Fichten- oder Tannentriebspitzen, 3 Liter Wasser, 2 kg Rohrohrzucker

Zubereitung:

Die Fichtenwipfel waschen und zusammen mit dem Wasser ca. 2 Stunden köcheln lassen. Nach der Kochzeit durch ein Tuch abseihen und ausdrücken. Die harzige, weißlich-trübe Flüssigkeit abkühlen lassen. Die erkaltete Flüssigkeit abmessen und darin den Zucker gewichtsmäßig 1:1 unter viel Rühren auflösen.  Zum Kochen bringen und ca 2-3 Stunden leise vor sich hinköcheln lassen. Der Sirup dickt dabei immer mehr ein. Wenn er die Konsistenz von Honig erreicht und ein dunkles Rotbraun angenommen hat (Probe erkalten lassen und Konsistenz prüfen), kochendheiß in Schraubdeckelgläser füllen. Kurz auf den Kopf stellen, dann umdrehen.





Der ganz besondere, harzig süße Geschmack passt hervorragend als Brotaufstrich auf kräftiges Bauernbrot, ist aber auch zum Süßen von Tee wunderbar. 
Durch die ätherischen Öle, Harze und Tannine der Fichtennadeln, die antiseptisch, durchblutungsfördernd, entzündungshemmend, harn- und schweißtreibend sowie hustenstillend, schleimlösend und auch krampfmildernd wirken, gilt Maiwipfelsirup als altes Hausmittel bei Erkältungen. So lecker kann Hustensaft sein.





Die Triebe der Fichten und Tannen sind im Flachland schon relativ weit - also müsst ihr euch beeilen, wenn ihr noch welche sammeln möchtet. Möglichst weit weg von allen Straßen, immer nur wenige von jedem Baum an den unteren Ästen pflücken und nie bei kleinen Bäumen im Kronenbereich, sonst wird der Baum nachhaltig geschädigt.
Viel Spaß beim Köcheln - der Duft in der Wohnung ist unbeschreiblich!
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Dienstag, 26. Mai 2015

Schwanensee.

Schwanensee ist wohl das berühmteste Ballett überhaupt. Selbst ballettuninteressierte Menschen, die auch nichts mit klassischer Musik am Hut haben, kennen zumindest vom Namen her dieses Ballett nach der Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowski. Die Geschichte der unglücklich verzauberten Prinzissin, die nur durch die Liebe eines Prinzen erlöst werden kann, ist ein klassisches Märchenmotiv, das es in vielen Varianten gibt. Hier ist es die schöne Prinzessin Odette, die vom Zauberer Rotbart in einen Schwan verwandelt wird und in die sich der junge, melancholische Prinz Siegfried an seinem einundzwanzigsten Geburtstag Hals über Kopf verliebt, als er sie im Mondlicht am See erblickt und ihr so ewige Treue schwört, um sie vom Zauber zu erlösen.





Doch Rotbart belauscht die beiden und erscheint am nächsten Abend als Baron Rotbart mit Odile, einem bösen Abbild von Odette, zum Ball. Der - wie meistens in Märchen  - offensichtlich schlecht sehende und nicht sehr helle Prinz glaubt, er hätte Odette vor sich, schwört auch Odile ewige Liebe und hält um ihre Hand an. Odettes weißer Geist erscheint in der Ferne und der Prinz läuft verwirrt zum See. Dort fleht er Odette um Verzeihung an und sie vergibt ihm, aber Rotbart ist erzürnt und schickt eine große Welle, die den Prinzen verschlingt. 



Ob der Rettungsversuch Odettes, die sich in die Fluten stürzt, um dem Prinz zu Hilfe zu kommen, erfolgreich ausgeht, oder ob einer oder beide im Wasser den Tod finden, das wird je nach Inszenierung frei interpretiert. Drama gibt es auf jeden Fall genug - einen bösartigen Zauberer, eine stumm leidende, duldsame, aufoperungsvolle und liebreizende Prinzessin, ihre böse dunkle Gegenspielerin und einen ziemlich dämlichen Prinzen, der irgendwie gar nichts zu checken scheint, sich wie ein Trottel benimmt, dem aber trotzdem vergeben wird und welchem die Schwanenprinzessin zu Füssen liegt.
Anscheinend ein Märchengrundprinzip, über das ich schon als Kind sehr erbost war. Allen voran die Dummbatz-Prinzen aus Allerleirauh und Rumpelstilzchen, die ich in die Wüste gejagt hätte, anstatt darauf zu warten, dass sie mich erhören. Aber ich war ja auch nie eine Prinzessin. Womöglich funktioniert das Prinzessinnenleben ja tatsächlich nach diesem Prinzip, da kenne ich mich zu wenig aus. 



Meine Märchenheldinnen der Kindheit waren Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter - damit konnte ich mich dann doch deutlich besser identifizieren als mit den duldsamen Barbie-Prinzessinnen. Ich wollte lieber wild und frei sein wie Pippi und Ronja und so ein dummüberheblicher Schwachmatenprinz, der würde mir später nie ins Haus kommen, das hatte ich mir geschworen. Okay... Ersteres war und ist nicht immer gruppenkompatibel und Letzeres hat nicht so gut funktioniert wie ich mir das vorgenommen hatte, aber es ist ja noch nicht aller Tage Abend. Und wenn es mit dem Prinzessinnending nicht mehr klappt (man wird ja nicht jünger), dann werde ich eben doch irgendwann die gute Fee. Oder die Hexe.





Schwäne sind ganz besondere Vögel, die die Phantasie der Menschen schon immer beflügelt haben mit ihrer hoheitlichen, eleganten Erscheinung, genauso wie die geheimnisvollen Tiefen des Wassers in Form von verwunschenen Seen und dem Meer. Das Motiv der Schwäne, als in einem See badende Himmelsmädchen, die sich ein ablegbares Federgewand umgelegt haben und von Männern geraubt werden, taucht in der Sagenwelt fast aller Kulturen der Welt auf, in denen es auch Schwäne gibt. Und auch in anderen Märchen werden immer wieder Menschen in Schwäne verwandelt und durch die Kraft der Liebe wieder entzaubert, wie zum Beispiel in "Die sechs Schwäne" der Gebrüder Grimm.
Schöne, stolze, majestätische Tiere wie der Schwan, der Adler oder der Löwe werden gerne mystifiziert. Dagegen gibt es kaum Sagen über Nacktmulle, Asseln oder Hyänen. Danke dafür.



Ob die tanzenden Schwäne auf dem Bodensee männlich oder weiblich waren, das kann ich übrigens nicht sagen, aber sie haben ihre Sache gut gemacht. Das Publikum hat sie andächtig beobachtet und ihren Auftritt schon während der Vorstellung reich entlohnt. Brot für die Spiele.
Der Name "Schwan" soll sich übrigens vom indogermanischen Wort "suen" ableiten, was so viel wie "rauschen und tönen" bedeutet - wer schon mal fliegende Schwäne gehört hat, der kann sich diese Namensherkunft sehr gut vorstellen. (Quelle: Wikipedia)
Schwan, Schwäne, Höckerschwäne, Bodensee, Überlingen, Schwansee, Tschaikowski, Prinz und Prinzessin im Märchen.

Sonntag, 24. Mai 2015

Immer wieder sonntags...

... geht es raus. Oder in diesem Fall - rein. Denn als wir in Parkstein ankamen, drohten noch dunkle Wolken den Aufenthalt im Freien sehr ungemütlich zu machen und so holten wir uns die Hintergrundinformationen eben, bevor wir den Vulkan "Hoher Parkstein" in der Oberpfalz erklommen haben. Denn in Parkstein gibt es nicht nur eine Burgruine und die tolle Aussicht vom Vulkan, nachdem man ihm über den Geopfad aufs Dach gestiegen ist, die erstarrte Lava in Form einer beeindruckenden Basaltwand und die Möglichkeit über die Felsenkeller ins Innere des Vulkans vorzudringen, es gibt auch ein neues Vulkanmuseum - und das hat es im wahrsten Sinn des Wortes in sich.


Im ehemaligen Landrichterschloss, das auch eine lebhafte Vergangenheit als Schule, Zoigl-Wirtschaft und Wohnhaus hinter sich hat, entstand 2013 das neue Museum "Vulkanerlebnis Parkstein". Neben der sehr bewegten Ortsgeschichte von Parkstein, wird dort über drei Etagen, auf einer im Tertiär beginnenden Zeitreise, multimedial die Entstehung des Vulkans, des Ortes an seinen Flanken und die Entwicklung bis zur Gegenwart dargestellt. Der museale Rundgang beginnt mit dem Eintauchen in den schwarzen Basalt und einem großen Knall...


Während die Augen noch damit beschäftigt sind, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen und man gerade begonnen hat, sich in die Erdgeschichte einzulesen, beginnt das Licht plötzlich zu flackern und ein dumpfes Grollen lässt die Wände des Museums erzittern. Rauch dringt aus dem Boden und füllt den Raum, während das Donnern und Schütteln der Erde lauter und lauter und lauter wird. 

Wenn sich der Vulkanausbruch dann mit Lichtfeuer, Rauch und Getöse seinen Weg durch die drei Etagen des Museums bahnt, dann steht man ehrfürchtig und doch mit ziemlichem Herzklopfen mitten in dieser beeindruckenden Simulation. 




Bis zum anschließenden Geröllprasseln und Ascheregen dramatisch akkustisch begleitet, ist der stündliche Vulkanausbruch das absolute Highlight des Museums. Schnell wird der Rauch danach wieder abgesaugt und man kann seinen Weg "durch den Vulkan" in die oberen Etagen fortsetzen und dort viele interessante Details über Parkstein, seine Entstehung, seine ehemalige Burganlage, seine Herrscher, Aufstieg, Niedergang und heutige Bedeutung erfahren.




Falls wir das nächste Mal einen ausbrechenden Vulkan für den Kindergeburtstag benötigen, dann versuchen wir uns vielleicht auch besser an einer Lichtsimulation nach Parksteiner Vorbild - das macht weniger Schweinerei auf dem Tisch. :-)



Das Museum ist bis zum Dach barrierefrei zugänglich, die Eintrittspreise sind erfreulich moderat und die multimedialen und textlichen Inhalte in Deutsch, Englisch und Tschechisch abrufbar. Ein museumspädagogisches Programm wird ebenso angeboten wie Führungen, Sonderausstellungen, Vorträge und Konzerte .
Wer sich über aktuelle Termine und Öffnungszeiten informieren möchte, kann das auf der Homepage des Museums tun.

Ein überraschend ambitioniertes Museum in einem so kleinen Ort in der Oberpfalz und zusammen mit den "Liveerlebnissen" rund um, auf und in dem echten Vulkan direkt vor dem Museum ein absolut rundes Gesamterlebnis. Daumen hoch für das detailreich, aufwändig und liebevoll gestaltete und für Besucher zugänglich gemachte "Vulkanerlebnis Parkstein".
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